Semax vs. Selank: Unterschiede, Wirkung & Forschung im Vergleich

Von PROTOCOL CXX Research Team Veröffentlicht 26.08.2026 Aktualisiert 29.08.2026 18 Min. Lesezeit
KURZANTWORT

Semax und Selank sind zwei unterschiedliche synthetische Heptapeptide aus der russischen Peptidforschung. Semax besitzt die Sequenz MEHFPGP und basiert auf ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro. Selank besitzt dagegen TKPRPGP und wurde aus der Tuftsin-Forschung entwickelt. Semax wird stärker im Zusammenhang mit Neuroprotektion, Neurotrophinen und Kognition untersucht, Selank stärker im Angst- und Stresskontext. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eines der beiden Peptide allgemein „besser“ ist.

Dieser Beitrag dient der sachlichen Einordnung im Forschungs- und Analysekontext. Die beschriebenen Research Peptide sind nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier vorgesehen.

Kurz gesagt: Semax und Selank sind zwei unterschiedliche synthetische Heptapeptide aus der russischen Peptidforschung. Semax besitzt die Sequenz MEHFPGP und basiert auf ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro. Selank besitzt dagegen TKPRPGP und wurde aus der Tuftsin-Forschung entwickelt. Semax wird stärker im Zusammenhang mit Neuroprotektion, Neurotrophinen und Kognition untersucht, Selank stärker im Angst- und Stresskontext. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eines der beiden Peptide allgemein „besser“ ist.

Semax vs. Selank auf einen Blick

Merkmal Semax Selank
Peptidtyp synthetisches Heptapeptid synthetisches Heptapeptid
Aminosäuren 7 7
Sequenz MEHFPGP TKPRPGP
Ausgeschrieben Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro
Ursprung ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro Tuftsin-Analogon
CAS 80714-61-0, freie Referenzform 129954-34-3
Molekülformel C37H51N9O10S, freie Referenzform C33H57N11O9
Molekulargewicht ca. 813,9 g/mol ca. 751,9 g/mol
zentraler Forschungskontext Neuroprotektion, Neurotrophine, Kognition Angst, Stress, neuro-/immunologische Regulation
Humanforschung kleine fMRI-Studien + klinische russische Literatur kleinere klinische Angststudien + fMRI-Daten
gleiche Substanz? Nein Nein

Beide Moleküle enden auf Pro-Gly-Pro (PGP). Das macht sie jedoch nicht zu Varianten derselben Substanz. Die ersten vier Aminosäuren unterscheiden sich vollständig.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Semax und Selank?

Semax und Selank haben zwar dieselbe Peptidlänge, stammen aber aus unterschiedlichen biologischen Forschungslinien.

Semax lässt sich präzise als ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro beschreiben. Seine Sequenz lautet:

MEHFPGP

Selank wurde dagegen auf Grundlage des endogenen Immunpeptids Tuftsin entwickelt und besitzt die Sequenz:

TKPRPGP

Das führt zu unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten.

Semax findet man häufiger in Arbeiten zu:

  • Neuroprotektion,

  • BDNF und TrkB,

  • neuronaler Plastizität,

  • zerebraler Ischämie,

  • funktionellen Hirnnetzwerken und

  • kognitiven Prozessen.

Selank wird dagegen stärker untersucht im Zusammenhang mit:

  • Angstreaktionen,

  • Stressregulation,

  • GABA-bezogenen Mechanismen,

  • Enkephalin-Systemen,

  • neuroimmunologischer Regulation und

  • teilweise kognitiven Prozessen.

Diese Einteilung beschreibt Forschungsrichtungen und ist keine Therapie- oder Produktempfehlung.

Was ist Semax?

Semax ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz MEHFPGP.

Die ersten vier Aminosäuren entsprechen ACTH(4–7). Daran schließt sich das Tripeptid Pro-Gly-Pro an.

Deshalb wird Semax häufig als ACTH(4–10)-Analogon bezeichnet. Chemisch sollte es jedoch nicht einfach mit natürlichem ACTH(4–10) gleichgesetzt werden.

Präziser ist:

ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro

Die freie Referenzform von Semax wird unter anderem mit:

  • CAS 80714-61-0,

  • C37H51N9O10S und

  • etwa 813,9 g/mol

geführt.

Die Forschung zu Semax ist besonders umfangreich auf präklinischer Ebene. Wiederkehrende Themen sind BDNF, TrkB, Neuroprotektion und neuronale Plastizität.

Die ausführliche wissenschaftliche Einordnung findest du unter Semax Wirkung.

Was ist Selank?

Selank ist ebenfalls ein synthetisches Heptapeptid, besitzt jedoch die Sequenz TKPRPGP und eine andere biologische Herkunft als Semax.

Die Sequenz ausgeschrieben lautet:

Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro

Selank wurde auf Grundlage von Tuftsin entwickelt.

Tuftsin selbst ist ein endogenes Tetrapeptid mit immunologischer Bedeutung. Selank erweitert diese Grundstruktur um Pro-Gly-Pro und bildet dadurch eine eigene Peptid-Entity.

Die freie Referenzdarstellung von Selank wird mit:

  • CAS 129954-34-3,

  • C33H57N11O9 und

  • ca. 751,9 g/mol

geführt.

Historisch liegt der Forschungsschwerpunkt deutlich stärker auf Angst-, Stress- und anxiolytischen Fragestellungen als bei Semax.

Semax vs. Selank – Sequenz und Struktur

Der direkte Sequenzvergleich zeigt besonders klar, warum Semax und Selank nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Semax

MEHFPGP

Met – Glu – His – Phe – Pro – Gly – Pro

Selank

TKPRPGP

Thr – Lys – Pro – Arg – Pro – Gly – Pro

Beide bestehen aus sieben Aminosäureresten.

Gemeinsam sind lediglich die letzten drei Positionen:

PGP

Der N-terminale Bereich ist dagegen unterschiedlich.

Damit sind Semax und Selank:

  • keine Synonyme,

  • keine Salzformen voneinander,

  • keine unterschiedlichen Handelsnamen desselben Moleküls und

  • keine austauschbaren chemischen Entities.

Woher stammen Semax und Selank?

Semax ist ACTH-bezogen, Selank Tuftsin-bezogen.

Diese Trennung ist für das Verständnis besonders wichtig.

Herkunft von Semax

Semax entstand aus der Forschung an Fragmenten des adrenocorticotropen Hormons ACTH.

Die Sequenz MEHF entspricht ACTH(4–7). Danach folgt Pro-Gly-Pro.

Herkunft von Selank

Selank geht dagegen auf das Immunpeptid Tuftsin zurück.

Tuftsin besitzt die Sequenz:

Thr-Lys-Pro-Arg

Selank ergänzt diese Sequenz um:

Pro-Gly-Pro

und ergibt:

TKPRPGP

Man sollte daher nicht schreiben:

„Semax und Selank sind zwei ACTH-Peptide.“

Das wäre chemisch falsch.

Semax oder Selank für Fokus und Konzentration?

Semax wird wissenschaftlich häufiger mit Kognition, Neuroprotektion und funktionellen Hirnnetzwerken untersucht. Das beweist jedoch nicht, dass Semax bei gesunden Menschen zuverlässig „besser für Fokus“ ist.

Die häufige Online-Vereinfachung lautet:

Semax = Fokus
Selank = Entspannung

Diese Darstellung ist als grobe Beschreibung der Forschungsrichtungen nachvollziehbar, wissenschaftlich aber zu simpel.

Für Semax existieren kleine Human-fMRI-Studien.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2018 analysierte 24 gesunde Erwachsene und berichtete Veränderungen im Default Mode Network.

Eine weitere Studie untersuchte Semax, Selank und Placebo bei insgesamt 52 gesunden Teilnehmern. Dabei wurden Unterschiede in der funktionellen Konnektivität bestimmter Hirnregionen gefunden.

Das zeigt:

Semax kann mit messbaren Veränderungen funktioneller Hirnnetzwerke verbunden sein.

Es zeigt nicht automatisch:

  • bessere Konzentration,

  • höhere Produktivität,

  • bessere Lernleistung oder

  • mehr Motivation.

Für einen robust nachgewiesenen Fokus-Boost bei gesunden Menschen fehlt weiterhin eine große moderne Humanstudienbasis.

Semax oder Selank bei Stress und Angst?

Selank besitzt direktere klinische Humanliteratur im Angstkontext als Semax.

Eine häufig zitierte Studie aus dem Jahr 2008 untersuchte 62 Patienten mit generalisierter Angststörung und Neurasthenie.

30 Patienten erhielten Selank, 32 Medazepam.

Die Autoren berichteten vergleichbare anxiolytische Effekte in den beiden Gruppen und untersuchten zusätzlich psychometrische sowie biologische Parameter.

Das ist für Selank eine relevante Humanstudie.

Sie besitzt jedoch wichtige Grenzen:

  • kleine Stichprobe,

  • einzelne russische Studie,

  • begrenzte internationale Replikation,

  • ältere Publikation und

  • andere Evidenzbasis als moderne große Zulassungsprogramme.

Eine weitere klinische Untersuchung aus dem Jahr 2014 verglich Selank mit Phenazepam bei 60 Patienten mit Angst- und somatoformen Störungen.

Auch dort wurden anxiolytische Effekte beschrieben.

Diese Studien erklären, warum Selank wissenschaftlich stärker mit Angst- und Stressforschung verbunden ist.

Sie bedeuten nicht:

„Selank behandelt Angststörungen zuverlässig.“

und erst recht nicht:

„Selank sollte gegen Angst verwendet werden.“

Welche Humanstudien gibt es zu Semax?

Die Humanliteratur zu Semax besteht aus unterschiedlichen Forschungsbereichen.

Gesunde Erwachsene

Besonders relevant sind kleine fMRI-Studien.

Eine Studie mit 24 gesunden Personen untersuchte Veränderungen des Default Mode Networks.

Eine weitere Untersuchung analysierte 52 gesunde Teilnehmer in Semax-, Selank- und Placebo-Gruppen.

Beide liefern neurobiologische Signale, jedoch keinen Beweis eines klinisch relevanten Fokus- oder Gedächtnis-Boosts.

Neurologische Patienten

Darüber hinaus existiert ältere klinische Literatur aus Russland, besonders zu:

  • zerebraler Ischämie,

  • Schlaganfall und

  • neurologischer Rehabilitation.

Eine Studie mit 110 Schlaganfallpatienten untersuchte unter anderem Plasma-BDNF und funktionelle Endpunkte.

Die FDA bewertete die Semax-Evidenz 2026 jedoch deutlich kritischer und sah für die konkret geprüfte Anwendung zerebrale Ischämie keine ausreichende Wirksamkeitsevidenz.

Damit ist auch bei Semax wichtig:

Vorhandene Humanstudien bedeuten nicht automatisch robuste klinische Evidenz nach heutigen regulatorischen Standards.

Welche Humanstudien gibt es zu Selank?

Selank besitzt kleinere klinische Humanstudien, die stärker auf Angststörungen ausgerichtet sind.

Zu den wichtigsten gehören:

62 Patienten – Selank vs. Medazepam

2008 wurden 62 Patienten mit generalisierter Angststörung beziehungsweise Neurasthenie untersucht.

30 erhielten Selank, 32 Medazepam.

Die Publikation wird in PubMed als randomized controlled trial und Vergleichsstudie geführt.

60 Patienten – Selank vs. Phenazepam

2014 untersuchte eine weitere Vergleichsstudie 60 Patienten mit Angst- und somatoformen Störungen.

Die Autoren beschrieben anxiolytische Effekte und einen milden nootropen Effekt.

70 Patienten – Phenazepam vs. Kombination mit Selank

2015 wurden 30 Patienten unter Phenazepam-Monotherapie mit 40 Patienten unter Phenazepam plus Selank verglichen.

Diese Studie ist für die Selank-Humanliteratur relevant, beantwortet jedoch eine Kombinationstherapie-Frage und darf nicht einfach als isolierter Selank-Wirkungsnachweis gelesen werden.

Insgesamt ist die Humanbasis interessant, aber relativ klein und stark von russischen Forschungsgruppen geprägt.

Semax vs. Selank – was ist besser erforscht?

Es gibt keinen sinnvollen allgemeinen Sieger. Die Evidenz verteilt sich auf unterschiedliche Forschungsgebiete.

Semax besitzt besonders viel:

  • präklinische Neuroprotektionsforschung,

  • BDNF-/TrkB-Forschung,

  • Genexpressionsforschung,

  • Ischämie-Modelle und

  • kleinere neuroimaging-basierte Humanstudien.

Selank besitzt dagegen vergleichsweise direkte klinische Arbeiten zu:

  • generalisierter Angst,

  • Angststörungen,

  • Benzodiazepin-Vergleichen und

  • Angst-/Stressmechanismen.

Die Aussage:

„Semax ist besser erforscht.“

wäre daher zu pauschal.

Genauso problematisch wäre:

„Selank hat bessere Humanstudien und ist deshalb wissenschaftlich überlegen.“

Die Forschungsfragen sind unterschiedlich.

Ein fairerer Vergleich lautet:

Forschungsbereich Semax Selank
Neuroprotektion starker präklinischer Schwerpunkt weniger zentral
BDNF/Neurotrophine umfangreiche Tierdaten ebenfalls präklinische Daten
Kognitive Prozesse starkes Forschungsfeld vorhanden, aber sekundärer
funktionelle Hirnnetzwerke kleine Human-fMRI-Daten kleine Human-fMRI-Daten
Angst/Stress weniger zentral klarer Forschungsschwerpunkt
klinische Angststudien keine vergleichbare direkte Basis mehrere kleine russische Studien
internationale Replikation begrenzt begrenzt
moderne große RCTs fehlen fehlen

Semax vs. Selank bei BDNF

Beide Peptide wurden mit BDNF-bezogenen Veränderungen in Verbindung gebracht. Die Evidenzebene unterscheidet sich jedoch und ist überwiegend präklinisch.

Semax und BDNF

Für Semax existieren mehrere Tierstudien, die Veränderungen von:

  • BDNF-Protein,

  • BDNF-mRNA,

  • TrkB und

  • neurotropher Signalgebung

beschreiben.

Bei Schlaganfallpatienten wurden zudem höhere Plasma-BDNF-Werte berichtet.

Das darf nicht mit einer direkten Messung von BDNF im Gehirn gesunder Menschen verwechselt werden.

Selank und BDNF

Auch Selank wurde in Tiermodellen mit BDNF in Verbindung gebracht.

Eine Arbeit untersuchte beispielsweise die Regulation der BDNF-Expression im Hippocampus von Ratten.

Eine weitere Tierstudie analysierte Selank, BDNF und Gedächtnisveränderungen nach chronischer Ethanolexposition.

Auch hier gilt:

Tier-BDNF-Daten sind keine Bestätigung dafür, dass Selank beim Menschen den BDNF-Spiegel im Gehirn erhöht.

Die verkürzte Aussage

„Semax und Selank erhöhen BDNF“

ist daher wissenschaftlich zu unpräzise.

Semax vs. Selank und Dopamin, Serotonin und GABA

Die häufige Zuordnung „Semax = Dopamin“ und „Selank = GABA“ ist zu vereinfachend.

Semax

Bei Semax existieren präklinische Untersuchungen zu:

  • dopaminergen und

  • serotonergen

Systemen.

Eine oft zitierte Nagetierstudie zeigte dabei keine einfache allgemeine Dopaminsteigerung durch Semax, sondern komplexere Modulationen bestimmter monoaminerger Reaktionen.

Selank

Bei Selank wurden unter anderem untersucht:

  • GABA-Rezeptorbindung,

  • Enkephalin-Abbau,

  • Serotonin,

  • Dopaminmetaboliten und

  • neuroimmunologische Mechanismen.

Eine experimentelle Arbeit beschrieb Selank als möglichen positiven allosterischen Modulator der GABA-Rezeptorbindung.

Andere Untersuchungen analysierten Veränderungen von Monoaminen in Mäusegehirnen.

Aber auch hier gilt:

mechanistische Tierdaten ≠ klinischer menschlicher Wirkmechanismus.

Man sollte Selank deshalb nicht einfach als „GABA-Booster“ und Semax nicht als „Dopamin-Booster“ bezeichnen.

Sind Semax und Selank beide Nootropika?

Beide werden in Teilen der wissenschaftlichen Literatur als nootrope beziehungsweise neuroaktive Peptide beschrieben.

Der Begriff „Nootropikum“ sagt jedoch zunächst nur etwas über den Forschungskontext aus.

Er bedeutet nicht automatisch:

  • bewiesene Leistungssteigerung,

  • bessere Konzentration,

  • bessere Intelligenz,

  • bessere Lernleistung oder

  • klinisch relevante kognitive Verbesserung bei gesunden Menschen.

Gerade bei Semax und Selank wird dieser Begriff online häufig stärker interpretiert, als es die Humanstudien erlauben.

Kann man Semax und Selank kombinieren?

Die Kombination wird online häufig diskutiert, aber daraus lässt sich keine klinisch belegte Synergie ableiten.

Die häufig verwendete Argumentation lautet:

Semax für Fokus + Selank für Ruhe = optimale Kombination.

Das ist mechanistisch attraktiv, aber wissenschaftlich spekulativ.

Die jeweiligen Einzelstudien untersuchen unterschiedliche Peptide und unterschiedliche Forschungsfragen.

Aus:

Semax besitzt neurotrophe Forschung

plus

Selank besitzt Angstforschung

wird nicht automatisch:

Semax + Selank wirkt besser zusammen.

Eine gemeinsame Vermarktung oder häufige Erwähnung in Communitys ist ebenfalls kein Beleg für Synergie.

Gibt es Humanstudien zur Kombination von Semax und Selank?

Bei der aktuellen Literaturprüfung wurde keine kontrollierte Humanstudie identifiziert, in der Semax und Selank gemeinsam verabreicht und als Kombination untersucht wurden.

Das ist besonders wichtig bei der Interpretation der 2020er fMRI-Arbeit.

Diese Studie wird gelegentlich so dargestellt, als habe sie die Kombination untersucht.

Das tat sie nicht.

Semax, Selank und Placebo wurden in getrennten Gruppen betrachtet.

Die Studie erlaubt also einen Vergleich bestimmter funktioneller Hirnnetzwerkveränderungen.

Sie beantwortet nicht:

  • ob beide Peptide synergistisch wirken,

  • ob die Kombination sicherer oder riskanter ist,

  • ob sich ihre Pharmakokinetik gegenseitig beeinflusst oder

  • ob gemeinsame Effekte stärker sind als Einzeleffekte.

Daraus folgt:

Eine wissenschaftlich etablierte Semax-Selank-Kombination existiert derzeit nicht.

Dieser Artikel enthält deshalb bewusst keine Kombinationsprotokolle oder Dosierungsangaben.

Gibt es eine direkte Semax-vs.-Selank-Humanstudie?

Die 2020 veröffentlichte fMRI-Studie ist der relevanteste direkte Vergleich, aber sie untersuchte einen Neuroimaging-Biomarker und keinen klinischen „Sieger“.

Bei insgesamt 52 gesunden Teilnehmern untersuchten die Forscher unter anderem funktionelle Konnektivität zwischen:

  • Amygdala,

  • dorsolateralem präfrontalem Cortex und

  • weiteren Hirnregionen.

Dabei fanden sich sowohl gemeinsame als auch spezifische Veränderungen nach Semax und Selank.

Das ist interessant, weil beide Peptide im selben experimentellen Rahmen analysiert wurden.

Die Studie beantwortete jedoch nicht:

„Welches Peptid verbessert den Fokus stärker?“

oder:

„Welches reduziert Angst besser?“

Dafür wären entsprechende direkte klinische Endpunkte nötig.

Was ist besser – Semax oder Selank?

Wissenschaftlich gibt es keinen allgemeinen Sieger.

Semax und Selank sind unterschiedliche Peptide mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten.

Semax wird stärker untersucht im Zusammenhang mit:

  • Neuroprotektion,

  • Neurotrophinen,

  • BDNF/TrkB,

  • funktionellen Hirnnetzwerken und

  • kognitiven Prozessen.

Selank besitzt dagegen einen stärkeren Schwerpunkt auf:

  • Angst,

  • Stress,

  • anxiolytischen Mechanismen,

  • GABA-/Enkephalin-Systemen und

  • kleineren klinischen Angststudien.

Welche Entity wissenschaftlich relevanter ist, hängt daher von der Forschungsfrage ab.

Die Frage

„Semax oder Selank – welches ist stärker?“

ist wissenschaftlich weniger sinnvoll als:

„Für welche Fragestellung existiert bei welchem Peptid die passendere Evidenz?“

Sind Semax und Selank in Deutschland zugelassen?

Semax und Selank besitzen keine reguläre zentrale EU-Arzneimittelzulassung. Eine etablierte deutsche Arzneimittelzulassung besteht für beide ebenfalls nicht.

Für Semax dokumentiert die FDA eine Arzneimittelregistrierung in Russland.

Diese russische Registrierung ist jedoch nicht auf Deutschland oder die Europäische Union übertragbar.

Bei Selank stammt die klinische Literatur ebenfalls stark aus Russland und beschreibt es im dortigen Arzneimittel- und Forschungskontext.

Für Deutschland gilt jedoch unabhängig davon:

Eine ausländische Verwendung oder Registrierung ist keine deutsche beziehungsweise europäische Arzneimittelzulassung.

Was sagt die FDA 2026 zu Semax?

Semax erhielt 2026 in den USA besondere regulatorische Aufmerksamkeit.

Am 24. Juli 2026 diskutierte das FDA Pharmacy Compounding Advisory Committee:

  • Semax free base und

  • Semax acetate.

Das FDA-Personal bewertete die vorhandenen Wirksamkeits- und Sicherheitsinformationen kritisch.

Für die konkret geprüften Anwendungen:

  • zerebrale Ischämie,

  • Migräne und

  • Trigeminusneuralgie

sah die FDA keine ausreichende Wirksamkeitsevidenz.

Das externe Beratungsgremium sprach sich anschließend mehrheitlich für eine Aufnahme der Semax-Substanzen in die diskutierte Compounding-Liste aus.

Diese Empfehlung ist nicht bindend.

Vor allem ist sie:

keine FDA-Arzneimittelzulassung.

Für Selank existiert keine vergleichbare aktuelle FDA-Bewertung aus diesem 2026er PCAC-Verfahren.

Das allein bedeutet jedoch nicht, dass Selank besser oder schlechter bewertet wäre – es war schlicht nicht Gegenstand derselben Semax-Bewertung.

Welche Unterschiede sind wissenschaftlich wirklich belastbar?

Einige Unterschiede sind sehr klar.

Sehr gut belegt

Semax und Selank sind unterschiedliche Moleküle.

Semax: MEHFPGP

Selank: TKPRPGP

Semax ist ACTH-bezogen.

Selank ist Tuftsin-bezogen.

Beide sind Heptapeptide.

Gut durch die Literatur als Forschungsschwerpunkt belegbar

Semax besitzt einen stärkeren Schwerpunkt auf:

  • Neuroprotektion,

  • Neurotrophinen und

  • Kognition.

Selank besitzt einen stärkeren Schwerpunkt auf:

  • Angst,

  • Stress und

  • anxiolytischen Mechanismen.

Nicht ausreichend belegt

Nicht sauber wissenschaftlich abgesichert sind dagegen pauschale Aussagen wie:

„Semax macht fokussiert.“

„Selank macht entspannt.“

„Semax erhöht Dopamin.“

„Selank erhöht GABA.“

„Semax ist besser für Arbeit.“

„Selank ist besser gegen Angst.“

„Beide zusammen wirken synergistisch.“

Diese Aussagen reduzieren komplexe und überwiegend begrenzte Evidenz auf einfache Marketingprofile.

Semax vs. Selank – Evidenz im direkten Überblick

Aussage Semax Selank
chemische Entity eindeutig? Ja Ja
Humanstudien vorhanden? Ja Ja
Studien an gesunden Menschen? Ja, kleine fMRI-Studien Ja, u. a. fMRI
direkte klinische Angststudien? kaum zentral Ja, kleine russische Studien
BDNF-Forschung? stark präklinisch + Plasma-Humandaten präklinisch
Fokus-Boost bei Gesunden bewiesen? Nein Nein
Angstbehandlung international robust bestätigt? Nein Nein
große moderne internationale RCTs? Nein Nein
Kombination kontrolliert untersucht? Nein Nein
zentrale EU-Arzneimittelzulassung? Nein Nein
FDA-Arzneimittelzulassung? Nein Nein

Fazit: Semax oder Selank?

Semax und Selank werden oft gemeinsam diskutiert, weil beide kurze synthetische Peptide aus derselben historischen Forschungslandschaft sind.

Chemisch und wissenschaftlich sind sie jedoch klar getrennt.

Semax besitzt die Sequenz MEHFPGP und stammt aus der ACTH-Forschung. Besonders umfangreich ist die präklinische Literatur zu Neuroprotektion, BDNF, TrkB und kognitiven Mechanismen.

Selank besitzt die Sequenz TKPRPGP und basiert auf Tuftsin. Seine klinische Humanliteratur ist stärker auf Angst- und Stressstörungen ausgerichtet.

Das macht Semax nicht automatisch zum „Fokus-Peptid“ und Selank nicht automatisch zum „Angst-Peptid“.

Die sauberere Aussage lautet:

Semax wird stärker im Kontext Neuroprotektion, Neurotrophine und Kognition untersucht; Selank stärker im Kontext Angst und Stress.

Beide besitzen Humanforschung.

Bei beiden fehlen jedoch große moderne international replizierte Studien, die viele der online verbreiteten Wirkversprechen bestätigen.

Und für die häufig diskutierte gemeinsame Kombination besteht bislang keine kontrollierte Human-Evidenz.

Wer tiefer in Semax einsteigen möchte, findet separate Einordnungen zu Semax Wirkung, Semax Nebenwirkungen und Semax Erfahrungen. Technische Produktdaten befinden sich beim Semax Peptid und beim Selank Peptid.

Häufige Fragen zu Semax und Selank

Was ist der Unterschied zwischen Semax und Selank?

Semax und Selank sind unterschiedliche synthetische Heptapeptide. Semax besitzt die Sequenz MEHFPGP und basiert auf ACTH(4–7)-Pro-Gly-Pro; Selank besitzt TKPRPGP und wurde aus der Tuftsin-Forschung entwickelt.

Sind Semax und Selank dasselbe?

Nein. Es handelt sich um zwei unterschiedliche chemische Moleküle mit eigenen Sequenzen, CAS-Nummern und Forschungsschwerpunkten.

Haben Semax und Selank dieselbe Sequenz?

Nein. Semax besitzt MEHFPGP, Selank TKPRPGP. Gemeinsam sind lediglich die letzten drei Aminosäuren Pro-Gly-Pro.

Sind beide Heptapeptide?

Ja. Semax und Selank bestehen jeweils aus sieben Aminosäureresten.

Was ist Semax?

Semax ist ein ACTH-bezogenes synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz MEHFPGP, das besonders in der Neuroprotektions-, Neurotrophin- und Kognitionsforschung untersucht wird.

Was ist Selank?

Selank ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Sequenz TKPRPGP, das auf Tuftsin basiert und besonders im Zusammenhang mit Angst-, Stress- und neuroimmunologischer Forschung untersucht wird.

Was ist besser: Semax oder Selank?

Wissenschaftlich gibt es keinen allgemeinen Sieger. Welches Molekül relevanter ist, hängt von der konkreten Forschungsfrage ab.

Welches Peptid wird stärker für Fokus untersucht?

Semax ist stärker mit Kognitions- und Neuroplastizitätsforschung verbunden. Ein zuverlässiger Fokus-Boost bei gesunden Menschen ist jedoch nicht klinisch etabliert.

Welches Peptid wird stärker im Angst- und Stresskontext untersucht?

Selank besitzt den deutlich stärkeren Schwerpunkt auf Angst- und Stressforschung und mehrere kleine russische Humanstudien in diesem Bereich.

Erhöhen Semax und Selank BDNF?

Bei beiden existieren BDNF-bezogene präklinische Daten. Daraus darf nicht geschlossen werden, dass beide Peptide beim Menschen zuverlässig BDNF im Gehirn erhöhen.

Welche Humanstudien gibt es?

Semax besitzt unter anderem kleine fMRI-Studien an gesunden Erwachsenen sowie klinische neurologische Studien. Selank besitzt kleinere Humanstudien bei Angststörungen sowie ebenfalls neuroimaging-basierte Daten.

Kann man Semax und Selank kombinieren?

Die Kombination wird online diskutiert, aber eine klinisch bewiesene Synergie ist nicht etabliert. Dieser Artikel gibt deshalb keine Kombinations- oder Anwendungsempfehlung.

Gibt es Studien zur Kombination von Semax und Selank?

Bei der aktuellen Literaturprüfung wurde keine kontrollierte Humanstudie identifiziert, in der beide Peptide gemeinsam verabreicht und als Kombination untersucht wurden.

Sind Semax und Selank in Deutschland zugelassen?

Nein. Beide besitzen keine reguläre deutsche beziehungsweise zentrale EU-Arzneimittelzulassung.

Quellen & weiterführende Literatur

PubChem – Semax / ACTH (4–7), Pro-Gly-Pro-.
CID 9811102. Sequenz MEHFPGP, CAS 80714-61-0, C37H51N9O10S, MW ca. 813,9 g/mol.

PubChem – Selank.
CID 11765600. Sequenz TKPRPGP, CAS 129954-34-3, C33H57N11O9, MW ca. 751,9 g/mol.

Panikratova YR et al. Functional Connectomic Approach to Studying Selank and Semax Effects. Doklady Biological Sciences. 2020. PMID 32342318.
Direkter experimenteller Vergleich funktioneller Hirnkonnektivität bei insgesamt 52 gesunden Teilnehmern.

Panikratova YR et al. Effects of Semax on the Default Mode Network of the Brain. Bulletin of Experimental Biology and Medicine. 2018. PMID 30225715.
Semax-fMRI-Studie bei 24 gesunden Erwachsenen.

Zozulia AA et al. Efficacy and possible mechanisms of action of a new peptide anxiolytic Selank in the therapy of generalized anxiety disorders and neurasthenia. 2008. PMID 18454096.
Randomisierte Vergleichsstudie mit 62 Patienten; Selank vs. Medazepam.

Medvedev VE et al. A comparison of the anxiolytic effect and tolerability of Selank and phenazepam in the treatment of anxiety disorders. 2014. PMID 25176261.
Klinische Vergleichsstudie mit 60 Patienten.

Medvedev VE et al. Optimization of the treatment of anxiety disorders with Selank. 2015. PMID 26356395.
70 Patienten; Phenazepam-Monotherapie im Vergleich zu Phenazepam plus Selank.

Inozemtseva LS et al. Intranasal administration of the peptide Selank regulates BDNF expression in the rat hippocampus in vivo. 2008. PMID 18841804.
Präklinische Selank-BDNF-Forschung.

Kolik LG et al. Selank, Peptide Analogue of Tuftsin, Protects Against Ethanol-Induced Memory Impairment by Regulating BDNF Content in the Hippocampus and Prefrontal Cortex in Rats. 2019. PMID 31625062.
Tiermodell; keine Human-BDNF-Studie.

Kozlovskii II et al. Peptide-based Anxiolytics: The Molecular Aspects of Heptapeptide Selank Biological Activity. 2018. PMID 30255741.
Präklinische/mechanistische Forschung zur GABA-Rezeptor-Modulation.

U.S. Food and Drug Administration. Semax-related Bulk Drug Substances: Semax Free Base and Semax Acetate. Pharmacy Compounding Advisory Committee, 24. Juli 2026.
Aktuelle regulatorische Bewertung von Semax free base und Semax acetate.

Stand der Literaturprüfung: 26. August 2026.

RESEARCH PRODUCT / PROTOCOL CXX

SEMAX – Produktdaten

Die produktspezifischen Angaben zum Research Peptid sind getrennt vom redaktionellen Wissensartikel auf der Produktseite dokumentiert.

INHALT
10 mg
REINHEIT
≥99 % HPLC
CHARGE / LOT
2026-07-02
VERWENDUNGSZWECK
Research Use Only
AUTOR & AKTUALISIERUNG PROTOCOL CXX Research Team Veröffentlicht 26.08.2026 · Aktualisiert 29.08.2026
REDAKTIONELLER HINWEIS

Unsere Wissensartikel trennen allgemeine redaktionelle Einordnung von produktspezifischen Angaben. Reinheit, Charge, COA und technische Produktdaten werden – sofern vorhanden – direkt am jeweiligen Research Peptid dokumentiert.