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Selank – Studien & Forschungsdaten

Selank ist ein synthetisches Heptapeptid mit der Aminosäuresequenz Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro (TKPRPGP) und wurde als Analogon des endogenen Peptids Tuftsin entwickelt. Es liegen kleine klinische Humanstudien sowie zahlreiche präklinische und mechanistische Untersuchungen vor; die klinische Evidenz ist jedoch begrenzt und nicht durch große konfirmatorische Studien abgesichert.

Kurzprofil
Forschungslage Begrenzte Human-Daten und präklinische Mechanistik · keine abschließende klinische Evidenz

TECHNISCHE REFERENZDATEN

Moleküldaten

CAS
129954-34-3
Molekülformel
C33H57N11O9
Molekulargewicht
751,9 g/mol
Sequenz
TKPRPGP

EVIDENZ

Evidenz & Studienlage

Selank wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit Angststörungen sowie mit neurobiologischen Mechanismen der GABAergen, monoaminergen und enkephalinergen Signalübertragung untersucht. Anders als bei vielen Research-Peptiden existieren publizierte Humanstudien. Diese Studien sind jedoch überwiegend klein, stammen größtenteils aus einem begrenzten russischen Forschungsumfeld und entsprechen hinsichtlich Größe, unabhängiger Replikation und Studiendesign nicht einer modernen Phase-III-Evidenzbasis.

Human-Daten

Eine 2008 veröffentlichte randomisierte Vergleichsstudie untersuchte 62 Patienten mit generalisierter Angststörung oder Neurasthenie. 30 Patienten erhielten Selank und 32 Medazepam. Die Autoren berichteten bei psychometrischen Endpunkten vergleichbare Veränderungen der Angstsymptomatik und untersuchten zusätzlich Veränderungen des Enkephalin-Stoffwechsels. Aufgrund der kleinen Stichprobe, des Alters der Studie und der begrenzten internationalen Replikation erlaubt diese Untersuchung keine abschließende Aussage zur klinischen Wirksamkeit.

Eine weitere klinische Vergleichsstudie aus dem Jahr 2014 umfasste 60 Patienten mit Angst-, phobischen und somatoformen Störungen und verglich Selank mit Phenazepam. Die Autoren berichteten Veränderungen der Angstsymptomatik und der Lebensqualität. Die Publikation ist jedoch klein und russischsprachig; aus dem verfügbaren Abstract ergibt sich kein Beleg für eine große verblindete, placebokontrollierte Bestätigungsstudie.

2015 untersuchte eine randomisierte Studie 70 Patienten. Dabei wurden 30 Patienten mit Phenazepam allein und 40 Patienten mit einer Kombination aus Phenazepam und Selank behandelt. Für die Kombination wurden ein früherer Effekt auf einzelne Skalen sowie geringere unerwünschte Begleiterscheinungen des Benzodiazepins berichtet. Da Selank hier nicht als isolierte Monotherapie geprüft wurde, lassen sich die beobachteten Unterschiede nicht eindeutig allein Selank zuschreiben.

Eine mechanistische Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte 52 gesunde Teilnehmer mit Resting-State-fMRI. Selank, Semax und Placebo wurden hinsichtlich kurzfristiger Veränderungen funktioneller Hirnkonnektivität verglichen. Beobachtet wurden Unterschiede unter anderem bei Verbindungen zwischen rechter Amygdala und temporalen beziehungsweise parahippocampalen Regionen. Diese Untersuchung liefert Human-Daten zur Neurobiologie, ist aber kein Nachweis einer klinischen Wirksamkeit bei einer Erkrankung.

Eine weitere Arbeit untersuchte immunologische Parameter bei Patienten mit Angst- beziehungsweise asthenischen Störungen und ergänzte diese durch ex-vivo-Experimente mit peripheren Blutzellen. Veränderungen verschiedener Zytokinparameter wurden beschrieben. Daraus lässt sich jedoch keine bestätigte klinische immunmodulatorische Wirkung ableiten.

Präklinische Evidenz

Ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt betrifft die GABAerge Neurotransmission. In einer Rattenstudie wurden nach Selank Veränderungen der Expression zahlreicher Gene beobachtet, die unter anderem GABA-Rezeptoruntereinheiten, Transporter, Ionenkanäle sowie dopaminerge und serotonerge Systeme betreffen. Die Autoren interpretierten die Ergebnisse als Hinweis auf eine mögliche Verbindung zur allosterischen Modulation des GABAergen Systems. Diese Daten stammen aus Tiergewebe und sind nicht unmittelbar auf klinische Effekte beim Menschen übertragbar.

Weitere präklinische Arbeiten untersuchten den Serotoninstoffwechsel und Lernprozesse. In Rattenmodellen wurden Veränderungen des Serotoninstoffwechsels sowie Veränderungen bei Lern- und Gedächtnisparametern beschrieben. Diese Ergebnisse bilden mechanistische Forschungslinien, stellen aber keinen Beleg für entsprechende kognitive Effekte beim Menschen dar.

Auch BDNF und neurotrophe Signalwege wurden untersucht. Eine Studie an Ratten mit chronischer Ethanolexposition analysierte Gedächtnisparameter sowie BDNF-Gehalte in Hippocampus und präfrontalem Cortex. Veränderungen dieser Parameter unter Selank unterstützen die Erforschung neurotropher Mechanismen, sind jedoch präklinisch.

Tiermodelle untersuchten außerdem Selank bei alkohol- beziehungsweise opioidbezogenen Entzugssyndromen. Sowohl bei Alkoholentzug als auch in einem Morphinentzugsmodell wurden Veränderungen verschiedener Verhaltensparameter beschrieben. Diese Ergebnisse sind ausschließlich als präklinische Befunde einzuordnen.

Mechanistische Einordnung

Die Literatur diskutiert mehrere mögliche Mechanismen parallel. Dazu gehören die Modulation GABAerger Signalwege, Veränderungen monoaminerger Neurotransmission, Einflüsse auf den Abbau endogener Enkephaline sowie neurotrophe und immunologische Signalwege. Ein einheitlicher, beim Menschen klinisch validierter Wirkmechanismus ist daraus bislang nicht ableitbar.

Einordnung

Für Selank existiert damit mehr Humanforschung als für viele ausschließlich präklinisch untersuchte Research-Peptide. Die Daten reichen jedoch nicht aus, um aus heutiger Sicht eine breit bestätigte klinische Wirksamkeit, ein etabliertes Langzeit-Sicherheitsprofil oder eine Übertragbarkeit auf andere Erkrankungen oder Populationen abzuleiten.

Die vorhandenen Humanstudien liefern ein Forschungssignal, während ein erheblicher Teil der mechanistischen Erklärung weiterhin auf Tiermodellen, ex-vivo-Untersuchungen und molekularbiologischen Experimenten beruht.

FORSCHUNGSBEREICHE

Was wurde untersucht?

Angststörungen und angstbezogene Psychometrie

Mehrere kleine Humanstudien untersuchten Selank bei Patienten mit generalisierten, phobischen, somatoformen oder anderen Angststörungen. Dabei wurden Veränderungen auf psychometrischen Skalen und teilweise Vergleiche mit Benzodiazepinen berichtet. Die klinische Evidenz ist vorhanden, aber aufgrund kleiner Stichproben und fehlender großer unabhängiger Bestätigungsstudien begrenzt.

Funktionelle Hirnkonnektivität

Eine Humanstudie mit 52 gesunden Teilnehmern untersuchte kurzfristige Veränderungen der Resting-State-Konnektivität mittels fMRI. Unterschiede wurden unter anderem bei funktionellen Verbindungen der Amygdala beobachtet. Die Untersuchung liefert mechanistische Human-Daten, jedoch keine klinischen Wirksamkeitsdaten.

GABAerge Neurotransmission

Präklinische Arbeiten untersuchten Veränderungen GABA-bezogener Genexpression sowie die Interaktion von Selank mit GABA-Rezeptor-Systemen. Die Ergebnisse unterstützen eine mögliche Beteiligung GABAerger Mechanismen, wurden jedoch überwiegend in Rattengewebe beziehungsweise Rezeptormodellen gewonnen.

Serotonerge und monoaminerge Signalwege

Rattenstudien beschrieben Veränderungen des Serotoninstoffwechsels sowie der Balance verschiedener biogener Amine. Die Ergebnisse liefern mechanistische Hypothesen für neurobiologische Effekte von Selank, sind aber nicht als bestätigte Humanwirkung interpretierbar.

Enkephalin-System und Peptidabbau

Labor- und Human-nahe Untersuchungen analysierten den Einfluss von Selank auf Enkephalin-abbauende Enzyme. Dabei wurde eine Hemmung des enzymatischen Enkephalinabbaus beschrieben. Ob und in welchem Umfang dieser Mechanismus klinisch relevant ist, bleibt offen.

Neurotrophe Faktoren und Gedächtnismodelle

In Tiermodellen wurden BDNF, Lernprozesse und Gedächtnisparameter untersucht. Veränderungen wurden unter anderem in Hippocampus und präfrontalem Cortex beschrieben. Die Daten liefern präklinische Hinweise auf neurotrophe Forschungsmechanismen, begründen aber keine klinische Aussage zur kognitiven Leistungsfähigkeit beim Menschen.

Immunologische Signalwege

Eine Human-/ex-vivo-Arbeit untersuchte Veränderungen von IL-6 sowie des Th1/Th2-Zytokinprofils. Die Ergebnisse zeigen, dass immunologische Signalwege in der Selank-Forschung eine Rolle spielen; eine klinisch relevante immunmodulatorische Wirkung ist daraus nicht bestätigt.

Modelle von Substanzentzug und Stress

Präklinische Studien untersuchten Selank unter anderem in Tiermodellen von Alkohol- und Morphinentzug sowie chronischem Stress. Veränderungen verhaltensbezogener Endpunkte wurden beschrieben, die Übertragbarkeit auf menschliche Erkrankungen ist jedoch ungeklärt.

LIMITATIONEN

Grenzen der Datenlage

Die Selank-Literatur weist mehrere konkrete Einschränkungen auf:

  • Die vorhandenen klinischen Studien umfassen überwiegend nur einige Dutzend Teilnehmer.
  • Ein erheblicher Teil der klinischen Forschung stammt aus russischen Forschungsinstitutionen und wurde nicht durch große, unabhängige internationale Studienprogramme repliziert.
  • Mehrere zentrale Humanpublikationen sind russischsprachig und stammen aus den Jahren 2008 bis 2015.
  • Die klinischen Designs unterscheiden sich deutlich: Selank wurde gegen unterschiedliche aktive Vergleichssubstanzen oder als Bestandteil einer Kombinationstherapie untersucht.
  • In der Studie von 2015 wurde Selank zusammen mit Phenazepam eingesetzt; die beobachteten Ergebnisse können daher nicht eindeutig Selank allein zugeschrieben werden.
  • Viele Forschungsendpunkte betreffen psychometrische Skalen, kurzfristige Biomarker, Zytokine oder funktionelle Hirnkonnektivität statt harter klinischer Langzeitendpunkte.
  • Die fMRI-Studie von 2020 untersuchte gesunde Teilnehmer und erlaubt keine Schlussfolgerung zur Behandlung einer Erkrankung.
  • Ein großer Teil der mechanistischen Literatur stammt aus Rattenmodellen, Zell-/Gewebemodellen oder ex-vivo-Untersuchungen.
  • BDNF-, Monoamin-, Genexpressions- und Entzugsmodelle sind mechanistisch interessant, ihre Übertragbarkeit auf klinische Effekte beim Menschen ist jedoch nicht gesichert.
  • In der aktuell geprüften Literatur wurde kein großes multizentrisches konfirmatorisches Phase-III-Programm mit langfristigem Follow-up identifiziert.
  • Langfristige Sicherheitsdaten aus großen Humanpopulationen fehlen.
  • Die FDA weist bei Selank acetate (TP-7) ausdrücklich auf potenzielle peptidebezogene Immunogenitäts- und Qualitätsrisiken bei Compounding-Produkten hin und erklärt, dass wichtige Sicherheitsinformationen zur Anwendung beim Menschen fehlen.
  • Chemische Referenzdaten müssen außerdem zwischen freiem Selank und Salz-/Solvatformen wie Selank-Diacetat unterschieden werden.

Gesamteinordnung: Selank besitzt eine reale, aber begrenzte Human-Evidenzbasis. Die vorhandenen Ergebnisse rechtfertigen weitere Forschung, reichen jedoch nicht aus, um präklinische Mechanismen oder kleine klinische Vergleichsstudien als abschließend bestätigte klinische Evidenz darzustellen.

ORIGINALQUELLEN

Ausgewählte wissenschaftliche Quellen

Die hinterlegten Primär- und Referenzquellen sind diesem Forschungsprofil zugeordnet und können hier vollständig geöffnet werden.

QUELLENVERZEICHNIS Wissenschaftliche Quellen anzeigen

Ausgewählte wissenschaftliche Quellen

1. Zozulia AA, Neznamov GG, Siuniakov TS, et al. Efficacy and possible mechanisms of action of a new peptide anxiolytic Selank in the therapy of generalized anxiety disorders and neurasthenia. Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova. 2008;108(4):38–48.

Randomisierte kontrollierte Vergleichsstudie mit 62 Patienten mit generalisierter Angststörung oder Neurasthenie. 30 Patienten erhielten Selank und 32 Medazepam. Die Studie untersuchte psychometrische Endpunkte sowie Veränderungen der Enkephalinaktivität und stellt eine der zentralen frühen Humanstudien zu Selank dar.
PubMed – PMID 18454096

2. Medvedev VE, Tereshchenko ON, Israelian AIu, et al. A comparison of the anxiolytic effect and tolerability of Selank and phenazepam in the treatment of anxiety disorders. Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova. 2014;114(7):17–22.

Klinische Vergleichsstudie mit 60 Patienten mit Angst-, phobischen und somatoformen Störungen. Untersucht wurden anxiolytische Effekte und Verträglichkeit von Selank im Vergleich zu Phenazepam. Die Studie liefert direkte Human-Evidenz zu angstbezogenen klinischen Endpunkten, ist jedoch nicht als placebokontrollierte Studie einzuordnen.
PubMed – PMID 25176261

3. Medvedev VE, Tereshchenko ON, Kost NV, et al. Optimization of the treatment of anxiety disorders with Selank. Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova. 2015;115(6):33–40.

Vergleichende klinische Studie mit insgesamt 70 Patienten. 30 Patienten erhielten Phenazepam als Monotherapie und 40 eine Kombination aus Selank und Phenazepam. Relevant für die Untersuchung einer möglichen Add-on-Wirkung und der Verträglichkeit; Selank wurde hier jedoch nicht als isolierte Monotherapie gegen Placebo geprüft.
PubMed – PMID 26356395
DOI: 10.17116/jnevro20151156133-40

4. Panikratova YaR, Lebedeva IS, Sokolov OYu, et al. Functional Connectomic Approach to Studying Selank and Semax Effects. Doklady Biological Sciences. 2020;490(1):9–11.

Mechanistische Humanstudie mit 52 gesunden Teilnehmern und Resting-State-fMRI. Untersucht wurden kurzfristige Veränderungen der funktionellen Hirnkonnektivität vor sowie 5 und 20 Minuten nach Selank, Semax oder Placebo. Relevant für die Erforschung neuronaler Netzwerkmechanismen, nicht als klinischer Wirksamkeitsnachweis.
PubMed – PMID 32342318
DOI: 10.1134/S001249662001007X

5. Uchakina ON, Uchakin PN, Miasoedov NF, et al. Immunomodulatory effects of Selank in patients with anxiety-asthenic disorders. Zh Nevrol Psikhiatr Im S S Korsakova. 2008;108(5):71–75.

Human- und In-vitro-Untersuchungen zu immunologischen Effekten von Selank. In vitro wurden unter anderem IL-6-bezogene Veränderungen in kultivierten peripheren Blutzellen untersucht; bei Patienten mit generalisierter Angststörung und Neurasthenie wurden nach 14-tägiger Selank-Exposition Veränderungen der Th1/Th2-Zytokinbalance im Serum beschrieben. Die Arbeit ist für die immunologische Forschungslinie relevant, liefert jedoch keinen eigenständigen klinischen Wirksamkeitsnachweis.
PubMed – PMID 18577961

6. Volkova A, Shadrina M, Kolomin T, et al. Selank Administration Affects the Expression of Some Genes Involved in GABAergic Neurotransmission. Frontiers in Pharmacology. 2016;7:31.

Präklinische Rattenstudie zur Expression von 84 Genen, die an GABAerger Signalübertragung und weiteren Neurotransmissionsprozessen beteiligt sind. Nach Selank- beziehungsweise GABA-Gabe wurden zeitabhängige Veränderungen der Genexpression im frontalen Cortex untersucht. Die Arbeit unterstützt einen möglichen Zusammenhang zwischen Selank und der Regulation des GABAergen Systems, stellt jedoch keine Humanstudie dar.
PubMed – PMID 26924987
DOI: 10.3389/fphar.2016.00031

7. Vyunova TV, Andreeva L, Shevchenko K, Myasoedov N. Peptide-based Anxiolytics: The Molecular Aspects of Heptapeptide Selank Biological Activity. Protein & Peptide Letters. 2018;25(10):914–923.

Mechanistische Arbeit zur möglichen molekularen Grundlage der Selank-Wirkung. Mithilfe von Radioliganden-Rezeptor-Analysen wurde unter anderem die Beeinflussung der GABA-Bindung untersucht. Die Ergebnisse unterstützen die Hypothese einer konzentrationsabhängigen allosterischen Modulation des GABAergen Systems; sie sind mechanistische und keine klinische Wirksamkeitsevidenz.
PubMed – PMID 30255741
DOI: 10.2174/0929866525666180925144642

8. Kolik LG, Nadorova AV, Antipova TA, Kruglov SV, Kudrin VS, Durnev AD. Selank, Peptide Analogue of Tuftsin, Protects Against Ethanol-Induced Memory Impairment by Regulating of BDNF Content in the Hippocampus and Prefrontal Cortex in Rats. Bulletin of Experimental Biology and Medicine. 2019;167(5):641–644.

Präklinische Rattenstudie zu chronischer Ethanolexposition, Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsparametern sowie BDNF im Hippocampus und frontalen Cortex. Die Ergebnisse sind für mögliche neurotrophe Mechanismen von Selank relevant, lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf klinische Effekte beim Menschen übertragen.
PubMed – PMID 31625062
DOI: 10.1007/s10517-019-04588-9

9. Konstantinopolsky MA, Chernyakova IV, Kolik LG. Selank, a Peptide Analog of Tuftsin, Attenuates Aversive Signs of Morphine Withdrawal in Rats. Bulletin of Experimental Biology and Medicine. 2022;173(6):730–733.

Präklinische Arbeit in einem Rattenmodell des Naloxon-ausgelösten Morphinentzugs. Selank wurde hinsichtlich verschiedener Entzugszeichen untersucht und mit Diazepam als aktiver Kontrolle verglichen. Die Studie zeigt, dass diese Forschungslinie bislang tierexperimentell ist und keinen Humanbeleg für den Einsatz bei Opioidentzug darstellt.
PubMed – PMID 36322304
DOI: 10.1007/s10517-022-05624-x

10. U.S. Food and Drug Administration. Certain Bulk Drug Substances for Use in Compounding that May Present Significant Safety Risks.

Aktuelle behördliche Sicherheitsquelle zu Selank-Acetat (TP-7). Die FDA weist darauf hin, dass Compounding-Produkte mit Selank-Acetat bei bestimmten Verabreichungswegen aufgrund möglicher Aggregation und peptidbezogener Verunreinigungen ein Immunogenitätsrisiko darstellen können. Zugleich erklärt die Behörde, dass wichtige Informationen zu möglichen Sicherheitsproblemen bei der Anwendung von Selank-Acetat am Menschen fehlen.
FDA – Compounding Safety Risks

WEITERFÜHRENDE EINORDNUNG

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FORSCHUNGSFRAGEN

Häufige Fragen zur Forschung

Wie ist die aktuelle Studienlage zu Selank?

Zu Selank existieren sowohl Humanstudien als auch präklinische Untersuchungen. Die Humanstudien umfassen jedoch überwiegend kleine Patientengruppen und stammen größtenteils aus einem begrenzten Forschungsumfeld. Eine große, international replizierte konfirmatorische Evidenzbasis liegt bislang nicht vor.

Gibt es Humanstudien zu Selank?

Ja. Unter anderem wurden klinische Vergleichsstudien mit 62 beziehungsweise 60 Patienten sowie eine Kombinationsstudie mit insgesamt 70 Patienten veröffentlicht. Zusätzlich existiert eine fMRI-Untersuchung mit 52 gesunden Teilnehmern. Die Größe und Methodik dieser Studien reichen jedoch nicht aus, um eine abschließend bestätigte klinische Wirksamkeit abzuleiten.

Welche Forschungsbereiche wurden bei Selank am häufigsten untersucht?

Zu den wichtigsten Forschungsbereichen gehören Angststörungen, GABAerge und monoaminerge Neurotransmission, Enkephalin-Stoffwechsel, funktionelle Hirnkonnektivität, neurotrophe Faktoren sowie immunologische Signalwege. Ein großer Teil der mechanistischen Forschung stammt aus Tier- oder Laborstudien

Welche Selank-Daten stammen aus Tiermodellen?

Tierstudien untersuchten unter anderem GABA-bezogene Genexpression, Serotoninstoffwechsel, BDNF, Lern- und Gedächtnisprozesse sowie Modelle von chronischem Stress und Substanzentzug. Diese Ergebnisse können biologische Hypothesen unterstützen, sind aber kein Beweis für entsprechende klinische Effekte beim Menschen.

Welche Rolle spielt das GABA-System in der Selank-Forschung?

Mehrere präklinische Arbeiten beschreiben Veränderungen GABA-bezogener Genexpression oder Interaktionen mit GABA-Rezeptorsystemen. Daraus entstand die Hypothese, dass eine Modulation GABAerger Signalwege zu den molekularen Mechanismen von Selank gehören könnte. Ein beim Menschen klinisch vollständig bestätigter Wirkmechanismus ist daraus bislang nicht ableitbar.

Was sind die wichtigsten Grenzen der Selank-Forschung?

Die wichtigsten Einschränkungen sind kleine Humanstudien, begrenzte unabhängige Replikation, heterogene Vergleichsgruppen und das Fehlen großer langfristiger Studienprogramme. Zusätzlich stammt ein erheblicher Anteil der mechanistischen Evidenz aus Tiermodellen oder Laboruntersuchungen. Für Selank-Acetat weist die FDA außerdem auf begrenzte Sicherheitsinformationen und mögliche peptidebezogene Qualitäts- und Immunogenitätsrisiken bei Compounding-Produkten hin.