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DSIP – Studien & Forschungsdaten

DSIP (Delta Sleep-Inducing Peptide; Emideltide) ist ein Nonapeptid aus neun Aminosäuren. Es wurde historisch als schlafbezogener neuropeptidischer Faktor untersucht; kleine Humanstudien und präklinische Arbeiten liegen vor, die biologische Funktion und klinische Relevanz bleiben jedoch ungeklärt.

Kurzprofil
Forschungslage Historische, kleine Humanstudien und präklinische Evidenz · widersprüchliche Ergebnisse, keine belastbare klinische Evidenz

TECHNISCHE REFERENZDATEN

Moleküldaten

CAS
62568-57-4
Molekülformel
C35H48N10O15
Molekulargewicht
848,8 g/mol
Sequenz
WAGGDASGE

EVIDENZ

Evidenz & Studienlage

Die Forschung zu DSIP konzentriert sich historisch vor allem auf Schlafregulation und Insomnie, daneben auf neuroendokrine Prozesse, Stressmodelle, Schmerzforschung und Entzugssymptome. Ein großer Teil der Literatur stammt aus den 1980er- und 1990er-Jahren und umfasst kleine, teilweise kontrollierte Humanstudien sowie zahlreiche Tierexperimente.

Die Ergebnisse sind nicht konsistent. Einige frühe Untersuchungen berichteten Veränderungen von Schlaflatenz, Schlafdauer oder Schlafeffizienz. Andere kontrollierte Studien fanden dagegen nur geringe oder klinisch wenig relevante Unterschiede. Eine FDA-Evidenzbewertung aus dem Jahr 2026 kam deshalb zu dem Schluss, dass die klinischen Daten zu chronischer Insomnie insgesamt inkonsistent und bestenfalls vorläufig sind.

Präklinische Evidenz

Tierstudien untersuchten DSIP bei Schlaf, Stressreaktionen, Schmerzverarbeitung und neurochemischen Veränderungen. Dabei wurden Effekte auf Schlafstadien in Kaninchen, Katzen und Nagern beschrieben, die jedoch je nach Tierart und Versuchsaufbau unterschiedlich ausfielen. Frühere Reviews weisen außerdem auf nichtlineare beziehungsweise kontextabhängige Reaktionen hin.

In Stressmodellen bei Ratten wurden Veränderungen von Substanz P, Corticosteron und weiteren neuroendokrinen Parametern sowie Veränderungen experimenteller Stressreaktionen beobachtet. Diese Befunde sind präklinisch und erlauben keine direkte Aussage über entsprechende Effekte beim Menschen.

Auch zur Schmerzverarbeitung existieren Tierdaten. In Nagern wurden Veränderungen experimenteller Schmerzschwellen beschrieben. Die mechanistische Interpretation ist allerdings nicht einheitlich: einzelne Arbeiten berichteten eine Beteiligung opioider Mechanismen, während andere Ergebnisse nicht durch Naloxon beeinflusst wurden.

Human-Daten

Frühe kontrollierte Studien untersuchten DSIP bei gesunden Personen und bei Menschen mit chronischer Insomnie. Eine frühe Doppelblind-Crossover-Untersuchung mit sechs gesunden Probanden berichtete Veränderungen der Schlafneigung und verschiedener Schlafparameter. Aufgrund der sehr kleinen Stichprobe besitzt die Untersuchung jedoch nur begrenzte Aussagekraft.

Bei chronischer Insomnie sind die Ergebnisse widersprüchlich. Eine kontrollierte Studie mit 14 Personen berichtete Verbesserungen verschiedener Schlafparameter. Eine weitere Untersuchung mit sechs chronisch schlafgestörten Personen fand dagegen keine überzeugenden Unterschiede gegenüber Placebo und bewertete die beobachteten Veränderungen als klinisch wenig bedeutsam.

Eine Doppelblindstudie mit 16 Personen mit chronischer Insomnie fand zwar Unterschiede bei einzelnen objektiven Schlafparametern, die Autoren stuften die Effekte jedoch als schwach ein und kamen zu dem Schluss, dass ein wesentlicher kurzfristiger klinischer Nutzen nicht wahrscheinlich sei.

Auch neuroendokrine Fragestellungen wurden beim Menschen untersucht. In einer randomisierten Doppelblind-Crossover-Studie mit elf gesunden Männern sank die ACTH-ähnliche Immunreaktivität nach DSIP, während Cortisol unverändert blieb. Eine weitere kleine Humanstudie berichtete ebenfalls Veränderungen der ACTH-Sekretion. Andere Untersuchungen konnten einen allgemeinen hemmenden Effekt auf ACTH und Cortisol jedoch nicht bestätigen.

Ältere klinische Untersuchungen betrachteten außerdem Alkohol- und Opioidentzug. Eine Untersuchung mit 107 stationären Patienten berichtete Verbesserungen klinisch bewerteter Entzugssymptome. Die Studie war jedoch nicht als moderner randomisierter, placebokontrollierter Wirksamkeitsnachweis konzipiert; die FDA bewertet diese Daten deshalb aufgrund fehlender Randomisierung, fehlender Kontrollen und weiterer methodischer Einschränkungen als nicht ausreichend für einen Wirksamkeitsnachweis.

Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2009 untersuchte DSIP bei 24 Frauen während einer Allgemeinanästhesie. Entgegen einer einfachen Hypothese eines generell verstärkten Delta-Zustands nahm die EEG-Deltaaktivität unter bestimmten Versuchsbedingungen ab und Messgrößen deuteten auf eine geringere Anästhesietiefe hin. Die Untersuchung verdeutlicht, dass die neurophysiologischen Effekte von DSIP nicht mit einem einfachen „schlaffördernden“ Mechanismus gleichgesetzt werden können.

Einordnung

DSIP besitzt damit eine reale historische Humanforschungsbasis, die jedoch aus kleinen und heterogenen Studien besteht. Ergebnisse zu Schlafparametern wurden nicht konsistent repliziert, und es fehlen große moderne Bestätigungsstudien sowie belastbare Langzeitdaten.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem synthetisch definierten Nonapeptid DSIP und gemessener „DSIP-like immunoreactivity“. Untersuchungen endogener DSIP-ähnlicher Signale lieferten teilweise Befunde, die nicht zu der ursprünglichen Vorstellung eines klassischen endogenen Schlaffaktors passen. Eine kritische Review kam deshalb zu dem Schluss, dass natürliche Vorkommen, biologische Funktion und die Rolle von DSIP bei der Schlafregulation weiterhin nicht abschließend geklärt sind.

Die aktuelle FDA-Auswertung von 2026 bewertet die klinischen Daten zu chronischer Insomnie, Narkolepsie und Opioidentzug insgesamt als unzureichend und verweist unter anderem auf kleine Stichproben, unterschiedliche Ausgangsbedingungen, heterogene Studienprotokolle und fehlende Langzeitdaten.

FORSCHUNGSBEREICHE

Was wurde untersucht?

Schlafarchitektur und chronische Insomnie

Der historisch wichtigste Forschungsbereich betrifft Schlafdauer, Einschlaflatenz, Schlafeffizienz und Schlafstadien. Mehrere kleine Humanstudien berichteten Veränderungen einzelner Parameter, andere kontrollierte Untersuchungen konnten dagegen keinen überzeugenden oder klinisch bedeutsamen Vorteil gegenüber Placebo zeigen. Die Human-Evidenz ist daher widersprüchlich und nicht als gesicherter Wirksamkeitsnachweis einzuordnen.

Endogene DSIP-Signale und zirkadiane Regulation

Mehrere Untersuchungen analysierten DSIP-ähnliche Immunreaktivität im menschlichen Plasma und deren Zusammenhang mit Schlafstadien und Tagesrhythmus. Dabei wurden zirkadiane Veränderungen gefunden, jedoch keine einfache positive Beziehung zwischen höheren DSIP-Spiegeln und Slow-Wave-Sleep. Diese Befunde stellen die ursprüngliche Interpretation von DSIP als klassischen endogenen „Schlafstoff“ infrage.

Neuroendokrine Regulation

Kleine Humanstudien untersuchten die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Einzelne kontrollierte Experimente zeigten eine Abnahme der ACTH-ähnlichen Immunreaktivität, ohne gleichzeitig eine entsprechende Veränderung des Cortisols zu beobachten. Andere Studien konnten eine generelle Unterdrückung von ACTH- oder Cortisolantworten nicht bestätigen.

Stressreaktionen

In Tiermodellen wurde DSIP im Zusammenhang mit experimentellem emotionalem und physiologischem Stress untersucht. Veränderungen von Substanz P, Corticosteron und weiteren Stressparametern wurden beschrieben. Die Evidenz stammt überwiegend aus Nagermodellen; eine klinische Übertragbarkeit ist daraus nicht ableitbar.

Entzugssyndrome und opioide Systeme

Ältere Humanstudien und Tiermodelle untersuchten DSIP bei Alkohol- und Opioidentzug. Klinische Fallserien beziehungsweise unkontrollierte Untersuchungen berichteten Verbesserungen bestimmter Symptome, weisen jedoch erhebliche methodische Einschränkungen auf. Die FDA bewertete die vorhandenen Daten 2026 als nicht ausreichend, um eine klinische Wirksamkeit abzuleiten.

Schmerz- und nozizeptive Forschung

Tierexperimente zeigten Veränderungen experimenteller Schmerzschwellen nach DSIP. Zusätzlich existiert eine sehr kleine ältere Human-Pilotstudie mit sieben Personen mit unterschiedlichen chronischen Schmerzsyndromen. Aufgrund der geringen Fallzahl, fehlender moderner Kontrollen und heterogenen Krankheitsbilder ist daraus keine belastbare klinische Aussage ableitbar.

LIMITATIONEN

Grenzen der Datenlage

Die DSIP-Forschung weist mehrere spezifische Einschränkungen auf:

  • Ein großer Teil der Humanliteratur stammt aus den 1980er- und 1990er-Jahren und entspricht nicht den heutigen Standards großer konfirmatorischer klinischer Studien.
  • Die Stichproben der kontrollierten Schlafstudien waren sehr klein und umfassten teilweise lediglich sechs bis 18 Teilnehmer.
  • Verschiedene Studien kamen trotz ähnlicher Fragestellungen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Positive Veränderungen einzelner polysomnographischer Parameter wurden in anderen kontrollierten Untersuchungen nicht bestätigt oder als klinisch geringfügig bewertet.
  • Ausgangswerte und Kontrollbedingungen waren teilweise unausgeglichen. Dadurch ist unklar, ob statistische Unterschiede tatsächlich durch DSIP verursacht wurden.
  • Studien unterschieden sich hinsichtlich Population, Studiendauer, Zeitpunkt der Untersuchung, Versuchsbedingungen und untersuchter Endpunkte.
  • Für mehrere Forschungsbereiche wie Entzug und Schmerz beruhen Humanbefunde überwiegend auf offenen Untersuchungen, Pilotstudien oder klinischen Fallserien statt auf robusten randomisierten Vergleichsstudien.
  • Langfristige klinische Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten fehlen.
  • Die physiologische Bedeutung von gemessener DSIP-like immunoreactivity ist nicht eindeutig. Es ist nicht abschließend geklärt, ob alle historisch gemessenen immunreaktiven Signale tatsächlich das definierte Nonapeptid DSIP repräsentieren.
  • Die ursprüngliche Hypothese von DSIP als spezifischem endogenen Schlaffaktor wird durch spätere Human- und Reviewdaten nicht eindeutig gestützt.
  • Die FDA stellte 2026 zusätzlich erhebliche Datenlücken hinsichtlich physikochemischer Charakterisierung, Langzeitsicherheit, potenzieller Immunogenität, Aggregation und peptidbezogener Verunreinigungen fest.
  • Freie Emideltide-Base und Emideltide-Acetat sind unterschiedliche chemische Formen. Historische Publikationen und Produktunterlagen unterscheiden diese Formen nicht immer eindeutig, was die Vergleichbarkeit einzelner Daten zusätzlich einschränkt.

Insgesamt existiert für DSIP mehr Humanforschung als bei vielen ausschließlich präklinisch untersuchten Research-Peptiden. Die geringe Studiengröße, das Alter der Daten, widersprüchliche Ergebnisse und fehlende moderne Bestätigungsstudien verhindern jedoch eine belastbare klinische Schlussfolgerung.

ORIGINALQUELLEN

Ausgewählte wissenschaftliche Quellen

Die hinterlegten Primär- und Referenzquellen sind diesem Forschungsprofil zugeordnet und können hier vollständig geöffnet werden.

QUELLENVERZEICHNIS Wissenschaftliche Quellen anzeigen

1. U.S. Food and Drug Administration. FDA Briefing Document: Emideltide-Related Bulk Drug Substances (Emideltide Free Base and Emideltide Acetate). 2026.

Aktuelle behördliche Gesamtbewertung von Emideltide, auch als Delta Sleep-Inducing Peptide (DSIP) bezeichnet. Die FDA bewertete unter anderem chemische Charakterisierung, Pharmakologie, Pharmakokinetik, klinische Wirksamkeit und Sicherheit. Für chronische Insomnie, Narkolepsie und Opioidentzug bewertete die FDA die verfügbare Wirksamkeitsevidenz insgesamt als unzureichend; insbesondere die Daten zur chronischen Insomnie wurden als inkonsistent und bestenfalls vorläufig eingeordnet.

FDA Briefing Document 2026

2. Bes F, Hofman W, Schuur J, Van Boxtel C. Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients. A double-blind study. Neuropsychobiology. 1992;26(4):193–197.

Doppelblinde, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie mit 16 Personen mit chronischer Insomnie. Einzelne objektive Schlafparameter wie Schlafeffizienz und Schlaflatenz unterschieden sich zugunsten von DSIP, die Effekte waren jedoch schwach und teilweise möglicherweise durch Veränderungen in der Placebogruppe bedingt. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass eine kurzfristige Behandlung wahrscheinlich keinen wesentlichen therapeutischen Nutzen bietet.

PMID: 1299794
DOI: 10.1159/000118919

PubMed – PMID 1299794

3. Monti JM, Debellis J, Alterwain P, Pellejero T, Monti D. Study of delta sleep-inducing peptide efficacy in improving sleep on short-term administration to chronic insomniacs. International Journal of Clinical Pharmacology Research. 1987;7(2):105–110.

Kontrollierte Doppelblind-Crossover-Studie bei Personen mit chronischer Insomnie. Einige Schlafparameter veränderten sich unter DSIP, jedoch bestanden relevante Unterschiede teilweise bereits zu Studienbeginn. Die Autoren bewerteten die beobachtete Schlafverbesserung insgesamt als klinisch wenig bedeutsam.

PMID: 3583493

PubMed – PMID 3583493

4. Schneider-Helmert D. Effects of delta-sleep-inducing peptide on 24-hour sleep-wake behaviour in severe chronic insomnia. European Neurology. 1987;27(2):120–129.

Placebokontrollierte Doppelblindstudie mit 14 Personen mit schwerer chronischer Insomnie. Nach DSIP-Gabe wurden Verbesserungen verschiedener nächtlicher Schlafparameter sowie von Wachheit und Tagesleistung berichtet. Aufgrund der kleinen Stichprobe und der inkonsistenten Ergebnisse der breiteren DSIP-Literatur sollte die Studie als frühes positives Signal und nicht als bestätigender Wirksamkeitsnachweis eingeordnet werden.

PMID: 3622582
DOI: 10.1159/000116143

PubMed – PMID 3622582

5. Bjartell A, Ekman R, Bergquist S, Widerlöv E. Reduction of immunoreactive ACTH in plasma following intravenous injection of delta sleep-inducing peptide in man. Psychoneuroendocrinology. 1989;14(5):347–355.

Randomisierte Doppelblind-Crossover-Studie mit elf gesunden Männern. Nach intravenöser DSIP-Gabe wurde eine signifikante Abnahme der ACTH-ähnlichen Immunreaktivität (ACTH-LI) im Plasma beobachtet, während die Plasma-Cortisolspiegel nicht entsprechend verändert wurden.

PMID: 2554357
DOI: 10.1016/0306-4530(89)90004-8

PubMed – PMID 2554357

6. Chiodera P, Volpi R, Capretti L, et al. Different effects of delta-sleep-inducing peptide on arginine-vasopressin and ACTH secretion in normal men. Hormone Research. 1994;42(6):267–272.

Kontrollierte Humanstudie an kleinen Gruppen gesunder Männer. DSIP führte zu einer Abnahme der ACTH-Spiegel, beeinflusste jedoch weder die basalen Vasopressinspiegel noch wesentlich die Vasopressinantwort auf osmotische oder orthostatische Stimuli.

PMID: 7698722
DOI: 10.1159/000184207

PubMed – PMID 7698722

7. Dick P, Costa C, Fayolle K, Grandjean ME, Khoshbeen A, Tissot R. DSIP in the treatment of withdrawal syndromes from alcohol and opiates. European Neurology. 1984;23(5):364–371.

Historische unkontrollierte klinische Untersuchung mit 107 stationären Patienten mit Alkohol- oder Opiatentzug. Nach intravenöser DSIP-Gabe wurden deutliche Verbesserungen klinischer Entzugssymptome berichtet. Die Aussagekraft ist jedoch aufgrund des fehlenden Placeboarms, fehlender Randomisierung, subjektiver klinischer Bewertung und weiterer methodischer Einschränkungen deutlich begrenzt.

PMID: 6548969
DOI: 10.1159/000115715

PubMed – PMID 6548969

8. Pomfrett CJD, Dolling S, Anders NRK, Glover DG, Bryan A, Pollard BJ. Delta sleep-inducing peptide alters bispectral index, the electroencephalogram and heart rate variability when used as an adjunct to isoflurane anaesthesia. European Journal of Anaesthesiology. 2009;26(2):128–134.

Randomisierte Humanstudie mit 24 Frauen. Zwölf Teilnehmerinnen erhielten Kochsalzlösung und zwölf wurden verschiedenen intravenösen DSIP-Dosierungen zugeteilt. DSIP veränderte EEG-, Bispectral-Index- und autonome Parameter. Unter Isofluran wurde die Deltaaktivität entgegen der einfachen Hypothese einer verstärkten Deltaaktivität sogar reduziert.

PMID: 19142086
DOI: 10.1097/EJA.0b013e32831c8644

PubMed – PMID 19142086

9. Kovalzon VM, Strekalova TV. Delta sleep-inducing peptide (DSIP): a still unresolved riddle. Journal of Neurochemistry. 2006;97(2):303–309.

Kritische Übersichtsarbeit zur biologischen Identität und physiologischen Rolle von DSIP. Die Autoren bewerten die Hypothese von DSIP als spezifischem endogenem Schlaffaktor als weiterhin schwach dokumentiert. Diskutiert werden unter anderem die ungeklärte natürliche Existenz und biologische Funktion von DSIP sowie die Möglichkeit bislang nicht identifizierter DSIP-ähnlicher Peptide.

PMID: 16539679
DOI: 10.1111/j.1471-4159.2006.03693.x

PubMed – PMID 16539679

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FORSCHUNGSFRAGEN

Häufige Fragen zur Forschung

Wie ist die Studienlage zu DSIP?

Zu DSIP existieren mehrere Humanstudien, die überwiegend aus den 1980er- und 1990er-Jahren stammen. Die Ergebnisse zu Schlaf und Insomnie sind widersprüchlich: Einige kleine Studien berichteten Veränderungen von Schlafparametern, andere kontrollierte Untersuchungen fanden keinen klinisch bedeutsamen Vorteil. Die FDA bewertete die verfügbare Evidenz 2026 insgesamt als unzureichend.

Gibt es Humanstudien zu DSIP?

Ja. DSIP wurde unter anderem bei gesunden Probanden, Menschen mit chronischer Insomnie sowie in älteren Untersuchungen zu Entzugssymptomen und neuroendokrinen Parametern erforscht. Die meisten Studien waren jedoch klein, kurz und methodisch heterogen, sodass daraus keine belastbare klinische Wirksamkeit abgeleitet werden kann.

Ist DSIP als natürlicher Schlaffaktor wissenschaftlich belegt?

Nein, diese Einordnung ist nicht abschließend belegt. Historisch wurde DSIP als möglicher endogener Schlaffaktor beschrieben, spätere Untersuchungen der DSIP-ähnlichen Immunreaktivität und kritische Reviews stellten jedoch eine einfache kausale Beziehung zu Slow-Wave-Sleep infrage. Die genaue physiologische Bedeutung von endogenem DSIP beziehungsweise DSIP-ähnlichen Molekülen bleibt ungeklärt.

Was zeigen kontrollierte Studien zu DSIP und chronischer Insomnie?

Die Studien liefern kein einheitliches Bild. Einige kleine Untersuchungen berichteten Verbesserungen einzelner Schlafparameter, während andere Doppelblindstudien die beobachteten Unterschiede als gering oder klinisch wenig bedeutsam bewerteten. Eine konsistente Replikation in größeren modernen Studien fehlt.

Welche Forschungsbereiche wurden neben Schlaf bei DSIP untersucht?

DSIP wurde unter anderem im Zusammenhang mit neuroendokriner Regulation, Stressreaktionen, Schmerzverarbeitung, zirkadianen Prozessen und Entzugssyndromen untersucht. Für Stress und Schmerz stammt ein großer Teil der Evidenz aus Tiermodellen; die klinischen Daten außerhalb der Schlafforschung sind überwiegend klein oder methodisch schwach.

Was sind die wichtigsten Grenzen der DSIP-Forschung?

Zu den wichtigsten Einschränkungen gehören kleine Stichproben, das hohe Alter vieler Studien, heterogene Versuchsdesigns, widersprüchliche Resultate und fehlende Langzeitdaten. Zusätzlich ist nicht abschließend geklärt, ob historisch gemessene DSIP-like immunoreactivity immer das definierte DSIP-Molekül repräsentiert. Auch für Sicherheit, Immunogenität und unterschiedliche chemische Formen bestehen erhebliche Datenlücken.