Die Forschung zu DSIP konzentriert sich historisch vor allem auf Schlafregulation und Insomnie, daneben auf neuroendokrine Prozesse, Stressmodelle, Schmerzforschung und Entzugssymptome. Ein großer Teil der Literatur stammt aus den 1980er- und 1990er-Jahren und umfasst kleine, teilweise kontrollierte Humanstudien sowie zahlreiche Tierexperimente.
Die Ergebnisse sind nicht konsistent. Einige frühe Untersuchungen berichteten Veränderungen von Schlaflatenz, Schlafdauer oder Schlafeffizienz. Andere kontrollierte Studien fanden dagegen nur geringe oder klinisch wenig relevante Unterschiede. Eine FDA-Evidenzbewertung aus dem Jahr 2026 kam deshalb zu dem Schluss, dass die klinischen Daten zu chronischer Insomnie insgesamt inkonsistent und bestenfalls vorläufig sind.
Präklinische Evidenz
Tierstudien untersuchten DSIP bei Schlaf, Stressreaktionen, Schmerzverarbeitung und neurochemischen Veränderungen. Dabei wurden Effekte auf Schlafstadien in Kaninchen, Katzen und Nagern beschrieben, die jedoch je nach Tierart und Versuchsaufbau unterschiedlich ausfielen. Frühere Reviews weisen außerdem auf nichtlineare beziehungsweise kontextabhängige Reaktionen hin.
In Stressmodellen bei Ratten wurden Veränderungen von Substanz P, Corticosteron und weiteren neuroendokrinen Parametern sowie Veränderungen experimenteller Stressreaktionen beobachtet. Diese Befunde sind präklinisch und erlauben keine direkte Aussage über entsprechende Effekte beim Menschen.
Auch zur Schmerzverarbeitung existieren Tierdaten. In Nagern wurden Veränderungen experimenteller Schmerzschwellen beschrieben. Die mechanistische Interpretation ist allerdings nicht einheitlich: einzelne Arbeiten berichteten eine Beteiligung opioider Mechanismen, während andere Ergebnisse nicht durch Naloxon beeinflusst wurden.
Human-Daten
Frühe kontrollierte Studien untersuchten DSIP bei gesunden Personen und bei Menschen mit chronischer Insomnie. Eine frühe Doppelblind-Crossover-Untersuchung mit sechs gesunden Probanden berichtete Veränderungen der Schlafneigung und verschiedener Schlafparameter. Aufgrund der sehr kleinen Stichprobe besitzt die Untersuchung jedoch nur begrenzte Aussagekraft.
Bei chronischer Insomnie sind die Ergebnisse widersprüchlich. Eine kontrollierte Studie mit 14 Personen berichtete Verbesserungen verschiedener Schlafparameter. Eine weitere Untersuchung mit sechs chronisch schlafgestörten Personen fand dagegen keine überzeugenden Unterschiede gegenüber Placebo und bewertete die beobachteten Veränderungen als klinisch wenig bedeutsam.
Eine Doppelblindstudie mit 16 Personen mit chronischer Insomnie fand zwar Unterschiede bei einzelnen objektiven Schlafparametern, die Autoren stuften die Effekte jedoch als schwach ein und kamen zu dem Schluss, dass ein wesentlicher kurzfristiger klinischer Nutzen nicht wahrscheinlich sei.
Auch neuroendokrine Fragestellungen wurden beim Menschen untersucht. In einer randomisierten Doppelblind-Crossover-Studie mit elf gesunden Männern sank die ACTH-ähnliche Immunreaktivität nach DSIP, während Cortisol unverändert blieb. Eine weitere kleine Humanstudie berichtete ebenfalls Veränderungen der ACTH-Sekretion. Andere Untersuchungen konnten einen allgemeinen hemmenden Effekt auf ACTH und Cortisol jedoch nicht bestätigen.
Ältere klinische Untersuchungen betrachteten außerdem Alkohol- und Opioidentzug. Eine Untersuchung mit 107 stationären Patienten berichtete Verbesserungen klinisch bewerteter Entzugssymptome. Die Studie war jedoch nicht als moderner randomisierter, placebokontrollierter Wirksamkeitsnachweis konzipiert; die FDA bewertet diese Daten deshalb aufgrund fehlender Randomisierung, fehlender Kontrollen und weiterer methodischer Einschränkungen als nicht ausreichend für einen Wirksamkeitsnachweis.
Eine randomisierte Studie aus dem Jahr 2009 untersuchte DSIP bei 24 Frauen während einer Allgemeinanästhesie. Entgegen einer einfachen Hypothese eines generell verstärkten Delta-Zustands nahm die EEG-Deltaaktivität unter bestimmten Versuchsbedingungen ab und Messgrößen deuteten auf eine geringere Anästhesietiefe hin. Die Untersuchung verdeutlicht, dass die neurophysiologischen Effekte von DSIP nicht mit einem einfachen „schlaffördernden“ Mechanismus gleichgesetzt werden können.
Einordnung
DSIP besitzt damit eine reale historische Humanforschungsbasis, die jedoch aus kleinen und heterogenen Studien besteht. Ergebnisse zu Schlafparametern wurden nicht konsistent repliziert, und es fehlen große moderne Bestätigungsstudien sowie belastbare Langzeitdaten.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem synthetisch definierten Nonapeptid DSIP und gemessener „DSIP-like immunoreactivity“. Untersuchungen endogener DSIP-ähnlicher Signale lieferten teilweise Befunde, die nicht zu der ursprünglichen Vorstellung eines klassischen endogenen Schlaffaktors passen. Eine kritische Review kam deshalb zu dem Schluss, dass natürliche Vorkommen, biologische Funktion und die Rolle von DSIP bei der Schlafregulation weiterhin nicht abschließend geklärt sind.
Die aktuelle FDA-Auswertung von 2026 bewertet die klinischen Daten zu chronischer Insomnie, Narkolepsie und Opioidentzug insgesamt als unzureichend und verweist unter anderem auf kleine Stichproben, unterschiedliche Ausgangsbedingungen, heterogene Studienprotokolle und fehlende Langzeitdaten.