Melanotan II Wirkung: Bräunung, Melanin & Libido – was zeigen Studien?
Melanotan II (MT2) ist ein synthetisches zyklisches Analogon von α-MSH und aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren. In kleinen Humanstudien wurden eine verstärkte Hautpigmentierung sowie Effekte auf Erektionen und sexuelles Verlangen beobachtet. Auch Übelkeit, verminderter Appetit, Gähnen und spontane Erektionen wurden beschrieben. Die klinische Datenbasis zu MT2 ist jedoch klein und überwiegend Jahrzehnte alt. Melanotan II ist kein zugelassenes Arzneimittel für kosmetische Bräunung.
Dieser Beitrag dient der sachlichen Einordnung im Forschungs- und Analysekontext. Die beschriebenen Research Peptide sind nicht zur Anwendung am Menschen oder Tier vorgesehen.
Kurz gesagt: Melanotan II (MT2) ist ein synthetisches zyklisches Analogon von α-MSH und aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren. In kleinen Humanstudien wurden eine verstärkte Hautpigmentierung sowie Effekte auf Erektionen und sexuelles Verlangen beobachtet. Auch Übelkeit, verminderter Appetit, Gähnen und spontane Erektionen wurden beschrieben. Die klinische Datenbasis zu MT2 ist jedoch klein und überwiegend Jahrzehnte alt. Melanotan II ist kein zugelassenes Arzneimittel für kosmetische Bräunung.
Was ist Melanotan II?
Melanotan II, kurz MT2 oder MT-II, ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid und ein Analogon des körpereigenen α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH). Das Molekül besteht aus sieben Aminosäureresten und gehört pharmakologisch zu den Melanocortin-Rezeptoragonisten.
MT2 ist dabei nicht einfach ein anderer Name für Melanotan I. Die beiden Moleküle sind strukturell und pharmakologisch voneinander zu unterscheiden. Besonders wichtig: Viele ältere Studien zur Pigmentierung untersuchten Melanotan I beziehungsweise NDP-α-MSH/Afamelanotide. Solche Ergebnisse dürfen nicht automatisch als Human-Evidenz für Melanotan II ausgegeben werden.
Auch PT-141 beziehungsweise Bremelanotide ist trotz enger struktureller Verwandtschaft eine eigene chemische Entity und nicht mit MT2 gleichzusetzen.
Wer primär die technische Produktidentität, Variante und Moleküldaten sucht, findet diese auf der Seite zum Melanotan II (MT2) Peptid.
Melanotan II auf einen Blick
| Merkmal | Melanotan II |
|---|---|
| Name | Melanotan II |
| Synonyme | MT2, MT-II, Melanotan-2 |
| Molekülklasse | synthetisches zyklisches Peptid |
| Peptidlänge | 7 Aminosäurereste |
| Strukturtyp | Lactam-cyclisiertes Heptapeptid |
| Sequenznotation | Ac-Nle-c[Asp-His-D-Phe-Arg-Trp-Lys]-NH2 |
| Molekülformel | C50H69N15O9 |
| Molekulargewicht | ca. 1024,2 g/mol |
| CAS | 121062-08-6 |
| Klasse | Melanocortin-Rezeptoragonist |
| FDA-Arzneimittelzulassung | keine für Melanotan II |
Wie wirkt Melanotan II?
Melanotan II wirkt als relativ nichtselektiver Agonist mehrerer Melanocortin-Rezeptoren, insbesondere MC1R, MC3R, MC4R und MC5R. Genau diese breite Rezeptoraktivität erklärt, warum sich die Forschung zu MT2 nicht ausschließlich mit Hautpigmentierung beschäftigt.
Das Melanocortin-System umfasst insgesamt fünf bekannte Rezeptorsubtypen. Sie gehören zu den G-Protein-gekoppelten Rezeptoren und erfüllen je nach Gewebe unterschiedliche Funktionen.
| Rezeptor | Vereinfachte biologische Bedeutung |
|---|---|
| MC1R | besonders relevant für Melanozyten und Pigmentbildung |
| MC2R | vor allem ACTH-Rezeptor der Nebennierenrinde; kein typisches MT2-Ziel |
| MC3R | zentrale Stoffwechsel- und neuroendokrine Signalwege |
| MC4R | Energiehomöostase, Nahrungsaufnahme und zentrale Sexualfunktion |
| MC5R | verschiedene periphere und exokrine Funktionen |
Diese Einteilung sollte allerdings nicht zu stark vereinfacht werden. Aussagen wie „MC1R macht braun und MC4R macht Libido“ bilden das biologische System nur unvollständig ab. Rezeptoren wirken in unterschiedlichen Geweben, und mehrere Signalwege können an einem beobachteten Effekt beteiligt sein.
Gerade MT2 ist dafür ein gutes Beispiel: Das Molekül wurde als nichtselektiver Melanocortin-Agonist charakterisiert und aktiviert nicht nur einen einzelnen Rezeptortyp.
Wie beeinflusst Melanotan II die Bräunung?
MT2 kann über melanocortinerge Signalwege – insbesondere über MC1R auf Melanozyten – die Melanogenese stimulieren und dadurch die Hautpigmentierung verstärken.
Melanozyten sind pigmentbildende Zellen der Haut. Wird MC1R aktiviert, beeinflusst dies unter anderem intrazelluläre cAMP-Signalwege und die Aktivität von Proteinen, die an der Bildung von Melanin beteiligt sind.
Diese mechanistische Erklärung ist nicht nur aus Zell- oder Tiermodellen bekannt. Für Melanotan II existiert auch eine sehr kleine direkte Humanstudie.
Was zeigte die erste MT2-Humanstudie?
1996 veröffentlichten Dorr und Kollegen eine Phase-I-Pilotstudie mit Melanotan II. Untersucht wurden lediglich drei gesunde männliche Probanden.
Bei zwei der drei Teilnehmer wurde nach dem kurzen Studienzeitraum eine erhöhte Pigmentierung im Gesicht, am Oberkörper und im Bereich des Gesäßes dokumentiert. Die Veränderungen wurden sowohl visuell als auch mittels quantitativer Reflexionsmessungen beurteilt.
Gleichzeitig traten bereits in dieser frühen Untersuchung weitere Effekte auf. Dazu gehörten unter anderem Übelkeit, Müdigkeit beziehungsweise Somnolenz, Gähnen und Stretching sowie spontane Erektionen.
Die Studie ist deshalb für die Frage nach der Melanotan-2-Wirkung ausgesprochen relevant – ihre Aussagekraft darf aber nicht überschätzt werden.
Drei Studienteilnehmer sind keine belastbare Grundlage für eine allgemeine Aussage über kosmetische Wirksamkeit, optimale Anwendung oder Langzeitsicherheit. Die Arbeit zeigt vielmehr, dass Pigmentierungsveränderungen unter MT2 beim Menschen grundsätzlich beobachtet wurden.
Was ist Melanin?
Melanin ist eine Gruppe körpereigener Pigmente, die wesentlich zur Farbe von Haut, Haaren und Augen beiträgt. Produziert wird es unter anderem von spezialisierten Hautzellen, den Melanozyten.
Für die Hautpigmentierung sind besonders zwei Melanintypen relevant:
-
Eumelanin ist überwiegend braun bis schwarz.
-
Phäomelanin weist eher gelblich-rötliche Farbtöne auf.
Das Verhältnis und die Menge dieser Pigmente unterscheiden sich individuell und werden unter anderem genetisch beeinflusst.
MC1R spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation der Pigmentbildung. Die Aktivierung des Rezeptors fördert melanogene Signalwege und kann die Bildung von Eumelanin beeinflussen.
Deshalb ist die Verbindung zwischen Melanotan II, MC1R, Melanin und Pigmentierung biologisch plausibel.
Wichtig ist aber die nächste Unterscheidung: Dass Melanin Teil der natürlichen Reaktion der Haut auf UV-Strahlung ist, bedeutet nicht automatisch, dass eine durch einen pharmakologischen Agonisten verstärkte Pigmentierung einen klinisch nachgewiesenen UV-Schutz bietet.
Bräunt Melanotan II ohne Sonne?
In der kleinen direkten MT2-Humanstudie wurde eine erhöhte Pigmentierung beobachtet, ohne dass UV-Bestrahlung als gezielte Bräunungsintervention Teil des beschriebenen Versuchs war. Das spricht dafür, dass MT2 melanogene Signalwege auch unabhängig von einem klassischen Sonnen- oder Solarium-Bräunungsprotokoll stimulieren kann.
Daraus lassen sich allerdings keine Aussagen über einen sicheren kosmetischen Einsatz ableiten.
Auch der populäre Ausdruck „Bräunen ohne Sonne“ ist wissenschaftlich problematisch: Hautfarbe, Ausgangspigmentierung, genetische MC1R-Varianten, alltägliche UV-Exposition und zahlreiche weitere Faktoren beeinflussen das sichtbare Ergebnis.
Vor allem darf aus dem Pigmentierungseffekt keine Empfehlung für zusätzliche UV- oder Solarienexposition entstehen.
Schützt Melanotan II vor UV-Strahlung?
Eine durch Melanotan II hervorgerufene Pigmentierung darf nicht mit einem nachgewiesenen Schutz vor UV-Schäden oder Hautkrebs gleichgesetzt werden.
Eumelanin ist biologisch an der natürlichen Photoprotektion der Haut beteiligt. Dieser allgemeine Zusammenhang wird in der Pigmentforschung gut beschrieben.
Das beantwortet aber eine andere Frage als:
Schützt die Verwendung von Melanotan II Menschen klinisch nachweisbar vor UV-Schäden?
Dafür existiert keine belastbare MT2-Humanstudienbasis, auf deren Grundlage MT2 als Sonnenschutz oder Hautkrebsprävention bezeichnet werden könnte.
Besonders wichtig ist hier die Trennung von Melanotan II und Melanotan I/Afamelanotide. Ein erheblicher Teil der älteren Forschung zu α-MSH-Analoga und Photoprotektion betrifft nicht MT2. Diese Daten können nicht einfach auf Melanotan II übertragen werden.
Eine stärkere Pigmentierung ist daher kein Ersatz für etablierten UV-Schutz und kein Freifahrtschein für intensive Sonnen- oder Solarienexposition.
Melanotan II und Libido – gibt es Humanstudien?
Ja. Sexualbezogene Effekte von Melanotan II wurden tatsächlich in kleinen kontrollierten Humanstudien untersucht.
Das unterscheidet diesen Themenbereich von vielen Behauptungen rund um Research Peptides, die fast ausschließlich auf Tiermodellen oder Erfahrungsberichten beruhen.
In einer 1998 veröffentlichten doppelblinden, placebokontrollierten Crossover-Studie wurden zehn Männer mit psychogener erektiler Dysfunktion untersucht. Unter Melanotan II entwickelten acht von zehn Teilnehmern klinisch erkennbare Erektionen. Unter Placebo waren die gemessenen Erektionsreaktionen deutlich geringer.
Eine weitere kontrollierte Untersuchung aus dem Jahr 2000 schloss zehn Männer mit erektiler Dysfunktion und organischen Risikofaktoren ein. Auch dort wurden unter MT2 häufiger Erektionsreaktionen beobachtet. Zusätzlich berichteten die Teilnehmer nach Melanotan II über ein höheres sexuelles Verlangen als nach Placebo.
Eine zusammenfassende Publikation derselben Forschungsgruppe beschrieb die Ergebnisse aus insgesamt 20 untersuchten Männern ebenfalls als Hinweis darauf, dass Melanotan II zentrale melanocortinerge Signalwege beeinflussen kann, die an sexueller Motivation und Erektionsreaktionen beteiligt sind.
Diese Ergebnisse sollten trotzdem nicht verallgemeinert werden.
Die Studien:
-
waren klein,
-
untersuchten vor allem Männer mit erektiler Dysfunktion,
-
stammen überwiegend aus den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren,
-
stellen keine moderne breite Zulassungsbasis für MT2 dar.
Insbesondere beweisen diese Untersuchungen keine allgemeine „Libidosteigerung“ bei gesunden Männern oder Frauen.
Warum kann MT2 sexuelle Erregung beeinflussen?
Die sexualbezogenen Effekte von Melanotan II werden vor allem mit zentralen Melanocortin-Signalwegen in Verbindung gebracht. MC4R gilt dabei als besonders relevant; auch MC3R kann an Teilen dieser komplexen Regulation beteiligt sein.
Das Melanocortin-System wirkt im zentralen Nervensystem nicht nur auf einen einzigen physiologischen Prozess. Es ist unter anderem mit Energiehomöostase, Nahrungsaufnahme und Sexualverhalten verknüpft.
Dass MT2 gleichzeitig Pigmentierung, Appetit und sexuelle Reaktionen beeinflussen kann, ist deshalb kein Widerspruch. Es entspricht vielmehr seiner relativ breiten Aktivität an verschiedenen Melanocortin-Rezeptoren.
Trotzdem lässt sich aus den Humanstudien nicht ableiten, dass jeder Effekt eindeutig einem einzelnen Rezeptor zugeordnet werden kann. Die Rezeptorpharmakologie wurde zu großen Teilen experimentell und präklinisch aufgeklärt; die klinischen MT2-Studien untersuchten primär beobachtbare Reaktionen und nicht die Aktivität einzelner Rezeptoren im menschlichen Gehirn.
Melanotan II und Appetit – macht MT2 weniger hungrig?
Ein verminderter Appetit wurde in frühen MT2-Humanstudien tatsächlich beobachtet. Er wurde dort jedoch als Begleit- beziehungsweise unerwünschter Effekt erfasst und nicht als erfolgreich geprüfte Therapie zur Gewichtsreduktion.
In der kontrollierten Studie von 1998 wurde ein verminderter Appetit unter Melanotan II häufiger beschrieben als unter Placebo. Gleichzeitig traten Übelkeit, Gähnen und Stretching auf.
Mechanistisch passt die Beobachtung zum Melanocortin-System. Vor allem der MC4-Rezeptor spielt eine wichtige Rolle bei der zentralen Regulation von Nahrungsaufnahme und Energiehomöostase.
Das bedeutet jedoch nicht:
„Melanotan II ist ein wissenschaftlich belegtes Mittel zum Abnehmen.“
Zwischen einem beobachteten Appetitverlust als pharmakologischem Begleiteffekt und einer klinisch validierten Gewichtsmanagement-Therapie besteht ein erheblicher Unterschied.
Melanotan II zum Abnehmen – gibt es dafür Belege?
Für Melanotan II existiert keine robuste moderne Humanstudienbasis, die MT2 als etablierte Behandlung zur Gewichtsreduktion stützen würde.
Dass melanocortinerge Signalwege die Energiehomöostase beeinflussen, ist wissenschaftlich gut belegt. Auch dass unter MT2 verminderter Appetit beobachtet wurde, ist dokumentiert.
Für eine evidenzbasierte Gewichtsmanagement-Therapie wären jedoch unter anderem größere kontrollierte Studien erforderlich, die Gewichtsverlauf, Körperzusammensetzung, metabolische Endpunkte und längerfristige Sicherheit systematisch untersuchen.
Die frühen MT2-Studien waren dafür nicht konzipiert.
Die häufige Verbindung von „Melanotan 2“ und „Abnehmen“ in Social Media oder Erfahrungsberichten sollte daher nicht mit einer klinisch etablierten Indikation verwechselt werden.
Welche Humanstudien gibt es zu Melanotan II?
Die direkte Human-Evidenz zu MT2 ist überschaubar.
| Forschungsbereich | MT2-spezifische Human-Daten | Einordnung |
|---|---|---|
| Pigmentierung | Phase-I-Pilotstudie | direkte Daten, aber nur 3 Männer |
| Erektionen | kleine kontrollierte Studien | Effekt in untersuchten ED-Populationen beobachtet |
| Sexuelles Verlangen | kleine kontrollierte Studien | Signal vorhanden, geringe Fallzahlen |
| Appetit | als Begleiteffekt dokumentiert | keine Gewichtsverluststudie |
| Langfristige kosmetische Anwendung | keine robuste veröffentlichte moderne Datenbasis | nicht klinisch etabliert |
| Hautkrebsprävention | für MT2 nicht belegt | Pigmentierung ≠ nachgewiesener Schutz |
| Gewichtsmanagement | nicht klinisch etabliert | keine robuste moderne MT2-Evidenz |
Bei der Einordnung ist besonders wichtig, dass nicht jede Studie zu „Melanotan“ tatsächlich Melanotan II untersucht.
Melanotan I/NDP-α-MSH/Afamelanotide und Melanotan II sind unterschiedliche Moleküle. Größere Pigmentierungs- oder Photoprotektionsstudien mit Afamelanotide dürfen daher nicht verwendet werden, um die Human-Evidenz von MT2 künstlich größer erscheinen zu lassen.
Wer tiefer in das Thema Peptidstrukturen und die Einordnung verschiedener Molekülklassen einsteigen möchte, findet die Grundlagen unter Peptide 101.
Ist Melanotan II zugelassen?
Melanotan II besitzt keine FDA-Arzneimittelzulassung. Es darf insbesondere nicht mit Afamelanotide oder Bremelanotide verwechselt werden, nur weil alle drei Moleküle mit dem Melanocortin-System verbunden sind.
Die FDA hat Melanotan II in der Vergangenheit ausdrücklich als nicht zugelassenen Wirkstoff beziehungsweise „unapproved new drug“ behandelt. Auch aktuelle FDA-Dokumente zum Compounding führen Melanotan II weiterhin als separat regulatorisch bewertete Substanz.
Davon zu unterscheiden sind zwei andere Moleküle:
Afamelanotide ist ein anderes α-MSH-Analogon und wurde in den USA als Scenesse für eine eng definierte Indikation bei erythropoetischer Protoporphyrie zugelassen.
Bremelanotide beziehungsweise PT-141 ist wiederum eine eng mit MT2 verwandte, aber chemisch eigenständige Substanz. Sie besitzt in den USA eine FDA-Zulassung als Vyleesi für eine eng definierte HSDD-Indikation bei prämenopausalen Frauen.
Diese Zulassungen lassen sich nicht auf Melanotan II übertragen.
In Deutschland warnte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bereits 2010 vor dem Bezug melanotanhaltiger Produkte aus nicht bestimmbaren Internetquellen und deren Anwendung für kosmetische Zwecke. Die historische Warnung wird auch von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker dokumentiert.
Die Unterschiede zwischen MT2 und Bremelanotide werden ausführlicher im Beitrag Melanotan II und PT-141 im Vergleich behandelt.
Ist die Wirkung von Melanotan II wissenschaftlich bewiesen?
Bestimmte pharmakologische Effekte von Melanotan II wurden beim Menschen beobachtet. Das gilt insbesondere für Pigmentierungsveränderungen sowie für Erektionsreaktionen und sexuelles Verlangen in kleinen Studien.
„Wissenschaftlich bewiesen“ ist trotzdem zu pauschal.
Je nach konkreter Behauptung unterscheidet sich die Evidenz erheblich:
Gut mechanistisch begründet:
MT2 ist ein Melanocortin-Rezeptoragonist und kann melanocortinerge Signalwege beeinflussen.
Direkt beim Menschen beobachtet:
Pigmentierungsveränderungen, Erektionsreaktionen, sexuelles Verlangen sowie unerwünschte Effekte wie Übelkeit, Gähnen und verminderter Appetit.
Nicht ausreichend etabliert:
langfristige kosmetische Wirksamkeit, langfristige Sicherheit oder ein standardisierter Nutzen in einer breiten gesunden Bevölkerung.
Nicht belegt:
MT2 als Hautkrebsprävention, Ersatz für Sonnenschutz oder etablierte Gewichtsverlusttherapie.
Genau diese Abstufung ist entscheidend. Ein kleiner Phase-I-Versuch und zwei kleine Sexualfunktionsstudien sind echte Human-Evidenz – sie machen MT2 aber nicht zu einem umfassend klinisch geprüften Arzneimittel.
Fazit: Was macht Melanotan II wirklich?
Melanotan II ist pharmakologisch deutlich interessanter als die vereinfachte Bezeichnung „Bräunungspeptid“ vermuten lässt.
Das zyklische α-MSH-Analogon aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren. Über MC1R und melanogene Signalwege lässt sich die beobachtete verstärkte Pigmentierung erklären. Gleichzeitig beeinflussen zentrale Melanocortin-Signalwege Funktionen, die mit Nahrungsaufnahme und Sexualverhalten verbunden sind.
Direkte MT2-Humanstudien bestätigen einige dieser Effekte: In einer winzigen Phase-I-Pilotstudie wurde bei zwei von drei Männern eine erhöhte Pigmentierung dokumentiert. Kleine kontrollierte Studien zeigten außerdem Erektionsreaktionen und teilweise ein erhöhtes sexuelles Verlangen. Verminderter Appetit wurde ebenfalls beobachtet.
Die Grenzen sind jedoch genauso wichtig wie die Befunde: Die Humanstudien sind klein und größtenteils Jahrzehnte alt. Für langfristige kosmetische Anwendung, Gewichtsmanagement oder einen Schutz vor UV-Schäden beziehungsweise Hautkrebs existiert daraus keine belastbare klinische Grundlage.
Wer die andere Seite der Evidenz betrachten möchte, findet im nächsten Beitrag die ausführliche Einordnung der Melanotan-II-Nebenwirkungen und Risiken. Erfahrungsberichte aus Communitys werden separat unter Melanotan-II-Erfahrungen wissenschaftlich eingeordnet.
Häufige Fragen zu Melanotan II
Was ist Melanotan II?
Melanotan II (MT2) ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid und Analogon von α-MSH. Es aktiviert mehrere Melanocortin-Rezeptoren und wurde unter anderem hinsichtlich Pigmentierung und Sexualfunktion untersucht.
Wie wirkt Melanotan II?
MT2 wirkt als relativ nichtselektiver Agonist an MC1R, MC3R, MC4R und MC5R. Dadurch können unterschiedliche melanocortinerge Signalwege beeinflusst werden.
Was macht MT2 mit der Haut?
Über MC1R und nachgeschaltete melanogene Signalwege kann MT2 die Melaninbildung beeinflussen und die Hautpigmentierung verstärken. Eine kleine Humanstudie dokumentierte eine erhöhte Pigmentierung bei zwei von drei Teilnehmern.
Warum wird die Haut durch Melanotan II dunkler?
Die Aktivierung melanocortinerger Signalwege in Melanozyten kann die Melanogenese und insbesondere die Regulation dunkler Pigmente wie Eumelanin beeinflussen. Mehr Pigment in der Haut kann zu einer sichtbar dunkleren Hautfarbe führen.
Erhöht Melanotan II Melanin?
MT2 aktiviert unter anderem MC1R, einen zentralen Rezeptor der Melanogenese. Direkte Humanforschung dokumentierte eine verstärkte Pigmentierung, während die grundlegende MC1R-Forschung den Zusammenhang mit Melaninsynthese erklärt.
Bräunt Melanotan II ohne Sonne?
Eine Pigmentierungszunahme wurde in einer direkten MT2-Pilotstudie beobachtet, ohne dass UV-Bestrahlung als gezielte Bräunungsintervention beschrieben wurde. Daraus folgt jedoch keine Aussage über einen sicheren kosmetischen Einsatz.
Schützt Melanotan II vor UV-Strahlung?
Ein klinisch relevanter UV-Schutz durch MT2 ist nicht belegt. Eine verstärkte Pigmentierung darf nicht mit einem nachgewiesenen Schutz vor UV-Schäden oder Hautkrebs gleichgesetzt werden und ersetzt keinen etablierten Sonnenschutz.
Hat Melanotan II Einfluss auf die Libido?
Kleine kontrollierte Humanstudien bei Männern mit erektiler Dysfunktion beobachteten unter MT2 teilweise ein erhöhtes berichtetes sexuelles Verlangen. Die Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf die Allgemeinbevölkerung übertragen.
Kann MT2 Erektionen beeinflussen?
Ja. In kleinen placebokontrollierten Humanstudien wurden unter Melanotan II deutlich häufiger Erektionsreaktionen beobachtet als unter Placebo.
Unterdrückt Melanotan II den Appetit?
Verminderter Appetit wurde in einer frühen kontrollierten MT2-Humanstudie als Begleiteffekt beschrieben. Wie stark und wie reproduzierbar dieser Effekt in einer breiten Population wäre, ist nicht ausreichend untersucht.
Ist Melanotan II zum Abnehmen geeignet?
Eine etablierte klinische Indikation für Gewichtsmanagement besteht nicht. Appetitverlust als beobachteter Nebeneffekt ist nicht mit einer nachgewiesenen Gewichtsverlusttherapie gleichzusetzen.
Gibt es Humanstudien zu MT2?
Ja. Es gibt eine sehr kleine Phase-I-Studie zur Pigmentierung sowie kleine kontrollierte Studien zu Erektionsreaktionen und sexuellem Verlangen. Die Datenbasis ist jedoch begrenzt und überwiegend Jahrzehnte alt.
Ist Melanotan II zugelassen?
Melanotan II besitzt keine FDA-Arzneimittelzulassung. Es ist von den zugelassenen, aber eigenständigen Wirkstoffen Afamelanotide und Bremelanotide zu unterscheiden.
Was ist der Unterschied zwischen MT2 und PT-141?
Melanotan II und PT-141/Bremelanotide sind strukturell eng verwandte zyklische Heptapeptide, aber nicht identisch. Sie unterscheiden sich unter anderem am C-Terminus und besitzen unterschiedliche chemische Identitäten sowie unterschiedliche klinische und regulatorische Entwicklungswege. Mehr dazu im Artikel Melanotan II vs. PT-141.
Quellen & weiterführende Literatur
-
Dorr RT, Lines R, Levine N, et al. Evaluation of melanotan-II, a superpotent cyclic melanotropic peptide in a pilot phase-I clinical study. Life Sciences. 1996;58(20):1777–1784. PMID: 8637402. DOI: 10.1016/0024-3205(96)00160-9.
-
Wessells H, Fuciarelli K, Hansen J, et al. Synthetic melanotropic peptide initiates erections in men with psychogenic erectile dysfunction: double-blind, placebo controlled crossover study. Journal of Urology. 1998;160(2):389–393. PMID: 9679884.
-
Wessells H, Gralnek D, Dorr R, et al. Effect of an alpha-melanocyte stimulating hormone analog on penile erection and sexual desire in men with organic erectile dysfunction. Urology. 2000;56(4):641–646. PMID: 11018622. DOI: 10.1016/S0090-4295(00)00680-4.
-
Wessells H, Levine N, Hadley ME, Dorr R, Hruby V. Melanocortin receptor agonists, penile erection, and sexual motivation: human studies with Melanotan II. International Journal of Impotence Research. 2000;12(Suppl 4):S74–S79. PMID: 11035391.
-
Ericson MD, Lensing CJ, Fleming KA, et al. Bench-top to clinical therapies: A review of melanocortin ligands from 1954 to 2016. Biochimica et Biophysica Acta – Molecular Basis of Disease. 2017;1863(10 Pt A):2414–2435. PMID: 28363699. DOI: 10.1016/j.bbadis.2017.03.020.
-
D’Orazio JA, et al. / MC1R-Pigmentierungsforschung. Reviews zur Rolle von MC1R, Eumelanin und Phäomelanin bei der menschlichen Pigmentierung und UV-Antwort.
-
NIH PubChem. Melanotan II, CID 92432. Referenz für CAS 121062-08-6, Summenformel C50H69N15O9, Molekulargewicht und zyklische Peptidstruktur.
-
U.S. Food and Drug Administration. FDA-Dokumentation zu Melanotan II als nicht zugelassenem Wirkstoff sowie aktuelle 503A-Bulk-Drug-Substance-Dokumentation.
-
FDA – Scenesse / Afamelanotide. Zulassungsdokumentation zur eindeutigen Abgrenzung von Afamelanotide gegenüber MT2.
-
Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker / BfArM. Dokumentation der deutschen Warnung vor melanotanhaltigen Produkten für kosmetische Zwecke.
Stand der Literaturprüfung: 25. August 2026.
Melanotan II (MT2) – Produktdaten
Die produktspezifischen Angaben zum Research Peptid sind getrennt vom redaktionellen Wissensartikel auf der Produktseite dokumentiert.
- INHALT
- 10 mg
- REINHEIT
- ≥99 % HPLC
- CHARGE / LOT
- 2026-07-01
- VERWENDUNGSZWECK
- Research Use Only
Weiterführende Seiten
Forschungsprofil und die weiteren Peptide-101-Intents zu diesem Molekül.